Alexander Zverev hat 2026 die French Open und die US Open gewonnen, zugleich aber nur zwei seiner neun Matches gegen Spieler aus den Top Ten für sich entschieden. Diese Kombination ist historisch ungewöhnlich und zeigt, wie stark Auslosungen, Verletzungen und einzelne Schlüsselduelle den Verlauf einer Grand-Slam-Saison prägen können.
Zverevs Bilanz gegen die besten zehn Spieler lautet 2:7. Seine Siege gelangen gegen Taylor Fritz in Wimbledon und gegen Ben Shelton im US-Open-Finale. Fritz war beim Londoner Duell körperlich angeschlagen, während Shelton in New York sein erstes Major-Endspiel bestritt.
Sinner und Alcaraz blieben die größten Hürden
Carlos Alcaraz besiegte Alexander im Halbfinale der Australian Open, obwohl der Deutsche zum Matchgewinn aufschlug. Fünf weitere Niederlagen kassierte Zverev gegen Jannik Sinner: in den Halbfinals von Indian Wells, Miami und Monte Carlo sowie in den Endspielen von Madrid und Wimbledon. Fritz gewann zudem das Finale von Halle, obwohl auch Zverev dort mit körperlichen Problemen spielte.
Bei seinen beiden Grand-Slam-Triumphen traf Alexander weder auf Sinner noch auf Alcaraz. Diese Tatsache lädt zu einer verkürzten Bewertung ein, nach der seine Titel weniger wert seien. Boris Becker hielt dagegen: „Er kann immer nur den Gegner schlagen, gegen den er auf dem Platz antreten muss.“ Der Satz beschreibt eine grundlegende Wahrheit des Turniertennis. Kein Champion kontrolliert, wer die andere Hälfte des Feldes übersteht.
Trotzdem bleibt die Bilanz sportlich relevant. Wer dauerhaft die Weltrangliste anführen und mehrere große Titel gewinnen will, muss die stärksten direkten Konkurrenten häufiger besiegen. Zverev hat 2026 seine Chancen hervorragend genutzt, aber gegen Sinner und Alcaraz noch keinen nachhaltigen Vorteil aufgebaut.
Historische Vergleiche zeigen die Besonderheit
Andere Spieler mit zwei Major-Titeln in einer Saison kamen auf deutlich mehr Top-Ten-Siege. Mats Wilander 1988, Rafael Nadal 2022 und Jimmy Connors 1982 erreichten jeweils acht. Novak Djokovic sammelte 2015 sogar 31 Erfolge gegen Gegner aus dieser Ranglistengruppe.
Solche Vergleiche sind nicht vollkommen fair, weil Kalender, Setzsysteme und Stärkeverteilung variieren. Sie verdeutlichen aber, wie selten Zverevs Weg war. Seine Saison beweist Effizienz in den wichtigsten Wochen, nicht Dominanz über die gesamte Elite.
Für die weitere Entwicklung ist das eine klare Aufgabe. Zverev muss seinen verbesserten Umgang mit Grand-Slam-Druck bewahren und zugleich Lösungen gegen Sinners Tempo sowie Alcaraz’ Variabilität finden. Die zwei Titel sind vollständig verdient. Die 2:7-Bilanz erklärt jedoch, warum die Frage nach dem stärksten Spieler der Saison trotz seiner Erfolge offenbleibt.
