Der Tenniswelt steht 2024 erneut ein heißes Thema bevor: Dopingtests. Beide amtierenden Grand-Slam-Einzeltitelträger, Jannik Sinner und Iga Swiatek, haben dieses Jahr positive Testergebnisse gemeldet. Der ATP-Weltranglistenerste Sinner, der die Australian Open und die US Open gewonnen hat, wurde im März zweimal positiv auf Clostebol getestet. Nach Untersuchungen durch die International Tennis Integrity Agency (ITIA) wurde jedoch festgestellt, dass der Italiener „keine Schuld“ trug. Er konnte nachweisen, dass er durch seinen ehemaligen Physiotherapeuten, der eine Hautcreme mit dem Stoff verwendet hatte, kontaminiert wurde und erhielt daher keine Sperre.
Iga Swiatek, die amtierende Siegerin der Frauen-Einzeln bei den French Open und WTA-Weltranglistenerste, erhielt im letzten Monat eine einmonatige Sperre von der ITIA, nachdem sie positiv auf TMZ getestet wurde. Auch sie konnte erfolgreich nachweisen, dass das Melatonin-Medikament, das sie einnahm, unbeabsichtigt mit dem verbotenen Stoff kontaminiert war, wodurch ihr ebenfalls keine erhebliche Schuld nachgewiesen werden konnte.
McEnroe zeigt Vertrauen in Spieler trotz Skepsis
Die positiven Tests von Sinner und Swiatek sowie die Handhabung ihrer Fälle haben zu Kontroversen geführt. Einige behaupten, dass die beiden großen Champions bevorzugt behandelt wurden. Andere, darunter der ATP-Tour-Spieler Nick Kyrgios, sind der Meinung, dass die Strafen nicht streng genug ausfallen.
Sinners Fall wird derzeit von der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) angefochten, die eine weitere Sperre anstrebt. Ob auch Swiateks Fall angefochten wird, ist noch unklar.
In einem Interview mit „Served with Andy Roddick“ äußerte sich der Tennisgrößte John McEnroe zu den Vorfällen: „Als jemand, der den Sport auf hohem Niveau liebt, wäre es eine absolute Schande zu glauben, dass einer dieser beiden Spieler in so etwas verwickelt wäre.“ Er fügte hinzu: „Manchmal, wenn man die Geschichten hört, denkt man: ‚Was? Wirklich? Der Masseur hatte eine Wunde und hat das Spray gegeben, und dann passiert irgendwie etwas beim Massieren.‘ Aber ich bin bereit, den Spielern zu glauben.“
McEnroe betonte weiter: „Ich möchte den Spielern glauben, weil ich nicht weiß. Sie haben beim US Open eine Millionstel von etwas im System gehabt… Eine Millionstel klingt nach absolut nichts, aber ich weiß es nicht. Ich bin einfach hoffnungsvoll, dass dies unseren Sport nicht belastet.“
Iga Swiatek wird ihr erstes offizielles Match seit Bekanntwerden ihrer Sperre nächste Woche beim United Cup bestreiten, der am 27. Dezember beginnt. Jannik Sinner hingegen wird bis zu seiner Titelverteidigung bei den Australian Open am 12. Januar nicht wieder in einem Wettkampf antreten.
