Jannik Sinner war nah dran am großen Triumph: Zwei Sätze Vorsprung, drei Matchbälle im vierten Satz – und doch reichte es nicht zum ersehnten Titel bei den French Open 2025. Im Endspiel unterlag er Carlos Alcaraz nach fünf Stunden und 29 Minuten mit 4:6, 6:7 (4:7), 6:4, 6:7 (3:7), 6:7 (2:10). Noch nie war ein Finale bei Roland Garros in der Open Era länger. Für Sinner war es eine bittere Niederlage, die lange nachwirken dürfte.
Während der Siegerehrung zeigte sich der Italiener offen und ehrlich. „Es tut weh“, sagte er. „Ich glaube nicht, dass ich heute Nacht gut schlafen werde.“ Der Weltranglistenerste hatte seinen Rhythmus im vierten Satz zurückgewonnen und bei 5:3 drei Matchbälle auf Alcaraz’ Aufschlag. Doch der Spanier wehrte alle ab, drehte das Match und gewann schließlich im Tiebreak des fünften Satzes.
„Wir sind einfach eine Familie“
Auf die Frage, wie er sich von dieser Niederlage erholen werde, antwortete Sinner nachdenklich: „Meine Familie, die Menschen, die mich kennen, helfen mir jetzt. Es gibt Zeiten, in denen man gibt, und Zeiten, in denen man etwas nimmt. Jetzt ist es meine Zeit, etwas von den Menschen um mich herum anzunehmen.“ Seine Mutter Siglinde war im Stadion, sein Vater fehlte – aus einem sehr bodenständigen Grund: „Mein Vater war nicht hier, weil er heute gearbeitet hat. Unser Erfolg ändert nichts in der Familie. Wir sind einfach eine Familie.“
Trotz der Enttäuschung wirkte Sinner dankbar und reflektiert. „Es war schön, meine Mutter hier zu sehen. Ich denke, mein Vater hat zu Hause ferngesehen – wenn er rechtzeitig mit der Arbeit fertig war.“ Dass er heute ganz oben mitspielt, sei für ihn früher unvorstellbar gewesen: „Das war nicht mal ein Traum, weil es so weit weg schien. Jetzt finde ich mich hier wieder, spiele das längste Finale in der Geschichte von Roland Garros. Ja, das tut weh, aber man kann nicht ewig weinen. Es passiert.“
Sinner bleibt einer der besten Spieler der Welt. Sein Auftritt in Paris zeigt, dass der ganz große Triumph nur eine Frage der Zeit sein dürfte.
