Nick Kyrgios steckt fest zwischen Abschied vom Profi-Tennis und dem Aufbau einer neuen Rolle im Sport. Der Australier, der bislang kein offizielles Karriereende verkündet hat, scheiterte Anfang 2025 mit einem letzten Comebackversuch. Bereits bei den Australian Open machte sein Körper nicht mehr mit.
Auch beim French Open und beim Queen’s Club musste er wegen Verletzungen absagen. Sein Name fehlt nun auch auf der Meldeliste für Wimbledon. Ein geplanter Mixed-Doppel-Auftritt mit Naomi Osaka bei den US Open im August ist bisher der einzige bekannte Punkt auf seinem Terminkalender.
Kyrgios war nie ein Spieler wie jeder andere. Trotz fehlender Grand-Slam-Einzeltitel gehört er zu den bekanntesten Gesichtern des Sports. Sein Selbstbewusstsein ist groß – ebenso wie seine Meinung zu aktuellen Themen. So sorgte seine Kritik am Weltranglistenersten Jannik Sinner nach dessen Dopingfall für Schlagzeilen. Während viele schwiegen, stellte Kyrgios öffentlich dessen Unschuldsbeteuerung infrage – ungeachtet möglicher Reaktionen.
Ein neues Kapitel vor der Kamera
In den letzten Jahren hat Kyrgios sich vermehrt dem Kommentieren und Moderieren gewidmet. Bei den Australian Open 2024 lobten viele seine Analysen. Auch die BBC setzte im vergangenen Jahr auf ihn als Teil der Wimbledon-Berichterstattung.
Doch für die diesjährige Ausgabe wurde er nicht eingeladen. Kritiker verweisen auf Kyrgios’ Schuldeingeständnis im Zusammenhang mit einem Fall häuslicher Gewalt 2023. Diese Vergangenheit war für manche Grund genug, ihn aus dem Programm zu streichen.
Kyrgios reagierte prompt. Gegenüber The Guardian sagte er: „Es ist schade, aber wahrscheinlich ist es eher ihr Verlust als meiner. Ich verstehe, dass sie Chris Eubanks genommen haben, aber der hat nicht mehrfach die Größten aller Zeiten geschlagen.“
Seine Kommentare auf Social Media folgten schnell – unter anderem nannte er die Entscheidung der BBC, den Amerikaner Eubanks zu bevorzugen, „seltsam“.
Trotz dieser Kontroversen loben frühere Kollegen seine Arbeit. Kommentator Nick Lester erklärte gegenüber Tennis365: „Wir haben uns gut verstanden. Ich glaube, er hat irgendwann gemerkt, wer ich bin. Gute Kommentare sind wie ein Gespräch – offen, aber nicht ausweichend.“
