Jannik Sinner zeigt in Wimbledon 2025 beeindruckende Leistungen. Nach klaren Siegen gegen Luca Nardi und Aleksandar Vukic steht der Weltranglistenerste ohne Satzverlust in Runde drei. Besonders sein 6:1, 6:1, 6:3 gegen Vukic unterstreicht, wie stabil und konzentriert er auftritt – selbst als viele andere gesetzte Spieler bereits ausgeschieden sind.
Allerdings läuft abseits des Rasens nicht alles reibungslos für Sinner. Der Italiener kehrte erst im Mai nach einer dreimonatigen Sperre zurück, die auf zwei positive Dopingtests im März 2024 folgte. Sinner argumentierte, dass eine Kontamination durch seinen damaligen Physiotherapeuten Giacomo Naldi die Ursache gewesen sei – die Tennis Integrity Agency (ITIA) akzeptierte diese Erklärung, das Verfahren endete nach einer Einigung mit der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) ohne Verhandlung.
Sinneswandel im Umgang mit Dopingfällen
Die Sperre Sinners rief einige Kritiker auf den Plan, die meinten, sein Status habe eine bevorzugte Behandlung begünstigt. Während Sinner bei seiner Rückkehr in Italien und Paris noch auf viel Wohlwollen stieß, muss er sich in Wimbledon jetzt kritischen Fragen stellen. Besonders die Vergleiche mit dem Fall von Kamil Majchrzak, der ebenfalls nach einer Dopingsperre zurück ist, sind Thema. Der Pole war 2022 nach mehreren positiven Tests gesperrt worden, gab jedoch an, ein isotonisches Getränk sei schuld gewesen. Er erhielt dennoch eine 13-monatige Sperre.
Nach seinem Sieg über Vukic sprach Sinner offen über die Unterschiede zwischen Topspielern und weniger bekannten Profis: „Was ich denke, ist, dass ich in der Lage bin, einen guten Anwalt zu nehmen, weil ich in der Position bin. Zum Glück habe ich das Geld, das vielleicht andere nicht haben. Der Prozess, den ich durchlaufen habe, ist jedoch derselbe. Es gab keine bessere Behandlung. Vielleicht hatte ich eine bessere Verteidigung, weil ich gute Leute um mich habe.“
Er räumte auch ein: „Wäre mir das mit 18 passiert, hätte ich vielleicht kein Geld gehabt und wäre in der gleichen Situation wie andere gewesen. Heute kann ich mir das beste Team leisten – das gehört zum Profi-Dasein dazu.“
Zwischen Sieg und Skepsis
Sinner steht nun wieder auf dem Platz, diesmal gegen Pedro Martinez, und viele erwarten einen weiteren klaren Erfolg. Der Italiener, dreifacher Viertelfinalist und Halbfinalist in Wimbledon, zählt zu den Favoriten. Sein Auftritt zeigt, dass sportliche Beständigkeit nicht vor kritischer Aufmerksamkeit schützt – auch nicht, wenn man die Nummer eins der Welt ist.
