Kei Nishikori hat das Finale der US-Open-Qualifikation gegen seinen japanischen Landsmann Rei Sakamoto mit 4:6, 6:7 verloren. Das Ergebnis kann den letzten Grand-Slam-Auftritt des 36-Jährigen markieren, während der 20 Jahre alte Sakamoto erstmals das Hauptfeld in New York erreicht.
Die Begegnung wirkte wie eine direkte Stabübergabe. Nishikori war 2014 der erste asiatische Mann in einem Grand-Slam-Einzelfinale und forderte in New York Marin Cilic um den Titel. Mehr als ein Jahrzehnt später stoppte ihn nun ein Spieler aus der nächsten japanischen Generation an genau jenem Ort, der seine größte Karriereleistung symbolisiert.
Eine Lucky-Loser-Chance bleibt theoretisch
Nishikori könnte noch als Lucky Loser ins Hauptfeld rutschen, falls ein qualifizierter Spieler kurzfristig absagt. Die Wahrscheinlichkeit ist jedoch gering. Schon eine Erstrundenteilnahme bringt 140.000 Dollar Preisgeld, wodurch kaum jemand freiwillig auf seinen Platz verzichten wird.
Der Japaner hat angekündigt, seine Karriere am Saisonende zu beenden. Weitere Starts in Tokio oder bei europäischen Hallenturnieren sind möglich, würden aber wahrscheinlich Wildcards erfordern. Für die US Open erhielt er keine solche Einladung und musste deshalb den Weg durch die Qualifikation nehmen.
Das knappe Ergebnis zeigt, dass Nishikori weiterhin konkurrenzfähig ist. Es zeigt ebenso, wie unerbittlich die Tour mit Spielern umgeht, deren Rangliste nach Verletzungen gefallen ist. Namen und frühere Erfolge garantieren keinen Platz im Hauptfeld.
Sakamoto beginnt seine eigene Geschichte
Sakamoto hat bereits bei den Australian Open Grand-Slam-Erfahrung gesammelt. Dort verlor er in fünf Sätzen gegen Rafael Jodar. Der Einzug in New York gibt ihm eine weitere Chance, sein aggressives Spiel auf der größten Bühne zu stabilisieren.
Der Sieg über Nishikori besitzt für ihn besondere Bedeutung, darf aber nicht zum Endpunkt werden. Nach drei Qualifikationsrunden wartet im Hauptfeld ein Gegner mit höherem Rang und frischerem Körper. Sakamoto muss die Emotion des Erfolgs schnell in Konzentration umwandeln.
Für Nishikori bleibt die Niederlage schmerzhaft, aber nicht unwürdig. Er zwang seinen jungen Gegner in einen engen zweiten Satz und verließ New York als ernsthafter Konkurrent. Sollte dies tatsächlich sein letzter Grand Slam gewesen sein, endet die Geschichte mit einem passenden Bild: Der frühere Wegbereiter macht Platz für einen Landsmann, der nun versucht, den japanischen Männer-Tenniserfolg weiterzutragen.
Sakamotos Aufgabe geht über ein einzelnes Turnier hinaus. Japan sucht einen Spieler, der regelmäßig in späten Grand-Slam-Runden sichtbar wird. Solche Erwartungen können belasten, doch der Qualifikationssieg liefert ein erstes Kapitel. Er hat die Vergangenheit nicht besiegt, sondern von ihr eine Gelegenheit erhalten, seine eigene Zukunft zu gestalten.
