Stefanos Tsitsipas steht nach drei sehr unterschiedlichen Siegen im Achtelfinale der US Open. Sein Lauf ist bemerkenswert, weil er nicht nur favorisierte Aufgaben gelöst, sondern gegen Arthur Fils und Jiri Lehecka schwierige Wendepunkte überstanden hat. Nach einer wechselhaften Saison zeigt der Grieche in New York wieder jene Widerstandskraft, die ihn bereits in zwei Grand-Slam-Endspiele geführt hatte.
Die Antwort auf Miami
Das Auftaktduell gegen Fils war sportlich und psychologisch heikel. Der Franzose hatte Stefanos in Miami mit 6:0, 6:1 deklassiert und gewann in New York erneut den ersten Satz. Im zweiten Durchgang lag Stefanos zudem mit einem Break zurück. Statt eine weitere klare Niederlage zu akzeptieren, drehte er die Partie und nahm Revanche für das schmerzhafte Ergebnis aus dem Frühjahr.
Anschließend ging er gegen Lloyd Harris als Favorit auf den Platz und erfüllte diese Rolle. Gerade nach einem emotionalen Auftaktsieg kann eine vermeintlich leichtere Aufgabe gefährlich werden. Stefanos vermied den Spannungsabfall und verschaffte sich damit die Gelegenheit, seine Form gegen einen weiteren gesetzten Gegner zu prüfen.
Lehecka wird zum Reifetest
Jiri Lehecka gewann den ersten Satz des Drittrundenmatches deutlich mit 6:2. Tsitsipas reagierte mit einem 6:1 und holte den engen dritten Durchgang im Tiebreak mit 7:3. Danach nutzte er den entstandenen Vorsprung konsequent und entschied den vierten Satz ebenfalls mit 6:1 für sich.
Der Verlauf zeigt eine wichtige Veränderung. Tsitsipas musste nicht von Beginn an dominieren, um die Kontrolle zu finden. Er akzeptierte eine schwache Anfangsphase, erhöhte den Druck und blieb im entscheidenden Tiebreak stabil. Die Unterstützung der Zuschauer verstärkte seinen Lauf, ersetzte aber nicht die taktische und mentale Anpassung.
Ein offenes Feld schafft Chancen
Tsitsipas hatte zuletzt in Gstaad seinen 13. Karrieretitel gewonnen. Dieser Erfolg kam auf kleinerer Bühne, gab ihm jedoch wieder ein Siegergefühl. In New York trägt er dieses Selbstvertrauen nun durch längere und anspruchsvollere Matches.
Novak Djokovic ist bereits ausgeschieden, während Carlos Alcaraz als größter verbliebener Maßstab im Feld steht. Daraus folgt noch kein leichter Weg für Tsitsipas. Seine ersten drei Runden haben aber gezeigt, dass er verschiedene Matchbilder lösen kann: Rückstand gegen Fils, Erwartungsdruck gegen Harris und einen Vier-Satz-Test gegen Lehecka. Für einen Spieler, dessen Potenzial nie die Hauptfrage war, ist diese neue Verlässlichkeit das wichtigste Signal. Sie macht ihn wieder gefährlich.
