Stefanos Tsitsipas ist der letzte verbliebene Einzelspieler der US Open, der seine Rückhand einhändig schlägt. Sein Achtelfinale gegen Ben Shelton erhält dadurch eine historische Nebenhandlung: Seit dem ersten Wimbledon-Turnier 1877 erreichte bei jedem Grand Slam mindestens ein Spieler mit einhändiger Rückhand das Halbfinale.
Stan Wawrinka, Lorenzo Musetti und die anderen Vertreter dieser Technik sind in New York bereits ausgeschieden. Tsitsipas formulierte seine Aufgabe entsprechend deutlich: „Ich habe eine 150-jährige Serie zu sichern.“
Die Zahl kann Motivation und Last zugleich sein. Die einhändige Rückhand steht für Reichweite, Variation und ästhetische Klarheit, gerät im modernen Powertennis aber besonders beim Return und gegen hohe Topspinbälle unter Druck. Zwei Hände geben vielen Spielern mehr Stabilität, weshalb die Technik im Spitzentennis seltener geworden ist.
Die eigene Form macht Hoffnung
Tsitsipas erreicht erstmals seit mehr als zwei Jahren wieder die Runde der letzten 16 bei einem Grand Slam. Bei den US Open war er zuvor nie über die dritte Runde hinausgekommen. Siege gegen Arthur Fils und Jiri Lehecka zeigten, dass er nach schwierigen Monaten wieder Widerstandsfähigkeit und Vertrauen in seine Schläge gefunden hat.
„So habe ich schon lange nicht mehr gespielt. Es passiert sehr leicht, dass man das Selbstvertrauen verliert, vor allem, wenn man schon lange keine Spitzenspieler mehr geschlagen hat“, sagte der Grieche.
Die Veränderung fällt mit einer Neuordnung seines Teams zusammen. Kurz vor Wimbledon beendete Tsitsipas die Zusammenarbeit mit seinem Vater und langjährigen Trainer Apostolos. Patrick Mouratoglou betreut ihn seitdem.
„Ich brauchte eine andere Stimme, jemanden, der etwas mehr Ruhe in meine Tenniswelt bringt. Um mich herum herrschte viel Chaos und Trubel“, erklärte Tsitsipas. Die neue Struktur scheint ihm geholfen zu haben, den Blick wieder auf die sportliche Aufgabe zu richten.
Shelton prüft Technik und Nerven
Gegen Shelton wird besonders der Return entscheidend. Der Amerikaner kann mit seinem Aufschlag sofort Druck auf die einhändige Rückhand ausüben und kurze Antworten erzwingen. Tsitsipas gewann allerdings das bisher einzige Duell 2023 beim Masters in Cincinnati.
Ein Sieg würde ihn ins Viertelfinale bringen, die historische Serie aber noch nicht retten. Dafür müsste er mindestens eine weitere Runde überstehen. Das große Ziel bleibt damit hinter der unmittelbaren Aufgabe verborgen.
Tsitsipas kämpft in New York zunächst für seine eigene Rückkehr in die Grand-Slam-Spitze. Dass an seinem Schläger zugleich eine 150-jährige Tradition hängt, verleiht dem Achtelfinale eine Bedeutung, die weit über Stilfragen hinausgeht.
