Ben Shelton geht ohne sichtbare Zweifel an Carlos Alcaraz in das Viertelfinale der US Open. Der US-Amerikaner hat den Spanier vor dem Turnier im Training erlebt und anschließend dessen Matches verfolgt. Trotz einer fünfmonatigen Pause erkennt Ben kaum Unterschiede zum gewohnten Spitzenniveau seines nächsten Gegners.
Zwei überzeugende Wege ins Viertelfinale
Ben setzte sich im Achtelfinale mit 6:2, 6:3, 6:4 gegen Stefanos Tsitsipas durch. Zuvor hatte er Tallon Griekspoor, Hubert Hurkacz und Denis Shapovalov bezwungen. Alcaraz kam nach seiner langen Handgelenkspause über Roman Safiullin, Jaime Faria, Wu Yibing und Tommy Paul in die Runde der letzten Acht.
„Wir haben vor dem Turnier zusammen trainiert“, sagte Ben. „Ich habe seine Matches verfolgt und finde, dass er auf einem extrem hohen Niveau spielt. Für mich wirkt er ganz normal, also so normal, wie er eben spielt. Das ist beeindruckend, nachdem er fünf Monate nicht gespielt hat. Ich denke, es wird ein großartiges Match.“
Die Aussage nimmt der Verletzungsgeschichte einen Teil ihrer taktischen Bedeutung. Shelton plant nicht gegen eine eingeschränkte Version von Alcaraz, sondern gegen den Titelverteidiger, der seine vertraute Qualität bereits wieder erreicht hat.
Shelton vertraut auf eigene Fortschritte
Der Weltranglistenachte sieht zugleich Unterschiede zu früheren Begegnungen. Er nennt seinen Aufschlag und Return, die Stabilität in längeren Ballwechseln, die Qualität von der Grundlinie und seine Bewegung als Bereiche, in denen er sich verbessert hat.
Diese Entwicklung wird gegen Alcaraz umfassend geprüft. Shelton benötigt freie Punkte mit dem ersten Aufschlag, darf sich aber nicht darauf beschränken. Alcaraz zwingt Gegner regelmäßig zu zusätzlichen Schlägen und verändert mit Tempo, Höhe und Winkel den Rhythmus. Eine höhere Toleranz in Rallyes könnte Shelton ermöglichen, aggressiv zu bleiben, ohne jeden Punkt zu früh entscheiden zu müssen.
Respekt ersetzt keine aktive Strategie
Sheltons Einschätzung wirkt respektvoll, aber nicht defensiv. Er beschreibt Alcaraz’ Form klar und richtet den Blick anschließend auf die Werkzeuge, die ihm selbst heute zur Verfügung stehen. Das ist nach einem deutlichen Achtelfinalsieg eine sinnvolle Ausgangslage.
Das Training vor dem Turnier liefert beiden Spielern aktuelle Informationen. Shelton weiß, wie Alcaraz den Ball nach der Pause trifft; Alcaraz kennt zugleich Sheltons Aufschlagrhythmus und Grundliniendruck. Der Amerikaner kann deshalb kaum auf einen Überraschungseffekt hoffen. Seine Chance liegt darin, die genannten Fortschritte über mehrere Sätze zu verbinden und Alcaraz nicht nur in einzelnen spektakulären Punkten, sondern über komplette Aufschlagspiele hinweg zu fordern.
