Thilo Behrmann hat das Halbfinale des Juniorenwettbewerbs der US Open erreicht. Der Österreicher besiegte den Italiener Simone Masselani nach verlorenem ersten Satz mit 3:6, 6:2, 6:3. Damit blieb er auch dann im Turnier, als sein Viertelfinale zunächst in die falsche Richtung lief.
Der von Wolfgang Thiem betreute Behrmann benötigte eine deutliche Reaktion. Nach dem 3:6 gewann er den zweiten Satz 6:2 und verlagerte die Entscheidung in einen dritten Durchgang. Dort hielt er den aufgebauten Vorteil mit 6:3 fest. Die Satzfolge beschreibt eine schrittweise Verbesserung: klarer Rückstand, klare Antwort und anschließend ein kontrollierter Abschluss.
Für einen Junior ist diese Abfolge wertvoll. Ein Grand-Slam-Viertelfinale bringt ungewohnte Aufmerksamkeit, während die Aussicht auf die Runde der letzten vier jeden Fehler größer erscheinen lässt. Behrmann bewies, dass er nach einem schwachen Start nicht auf eine schnelle Lösung angewiesen war. Er verlängerte das Match und zwang den Gegner, sein Niveau über drei Sätze zu bestätigen.
Paris-Duell erhält eine zweite Auflage
Im Halbfinale wartet der topgesetzte Guto Miguel. Der Brasilianer gilt als Turnierfavorit und besitzt einen unmittelbaren psychologischen Vorteil: Er besiegte Behrmann im Viertelfinale von Roland Garros. New York bietet dem Österreicher nun eine schnelle Revanchemöglichkeit auf einem anderen Belag und in einer späteren Turnierphase.
Das frühere Ergebnis kann Behrmann bei der Vorbereitung helfen, darf den neuen Spielverlauf aber nicht bestimmen. Er kennt Miguels Muster aus Paris und kann prüfen, welche Situationen damals besonders problematisch waren. Gleichzeitig wird Miguel Anpassungen erwarten. Ein bekanntes Duell ist deshalb nicht automatisch leichter, nur genauer vorzubereiten.
Behrmann sollte den langsamen Beginn aus dem Viertelfinale vermeiden. Gegen den topgesetzten Gegner könnte ein Satzrückstand mehr Kraft kosten und Miguel zusätzliche Sicherheit geben. Die Fähigkeit zur Wende bleibt dennoch ein wichtiges Gegenargument, falls der Start erneut misslingt.
Zwei Siege fehlen zum Titel
Behrmann ist noch zwei Erfolge von einem österreichischen Junioren-Grand-Slam-Titel entfernt. Lilli Tagger gewann im vergangenen Jahr den Juniorinnenwettbewerb von Roland Garros und zeigte, dass ein solcher Erfolg für Österreich in der jüngsten Generation erreichbar ist.
Diese historische Nähe sollte Behrmann nicht mit einer Erwartung verwechseln. Zunächst zählt nur das Halbfinale gegen Miguel. Im anderen Duell treffen Jamie Mackenzie und Marcel Latak aufeinander. Ein deutschsprachiges Finale bleibt möglich, ist aber keineswegs garantiert.
Der Sieg gegen Masselani gibt Behrmann mehr als einen Platz unter den besten vier. Er liefert ihm das Vertrauen, ein schwieriges Match zu drehen. Gegen Miguel muss aus dieser Widerstandskraft ein vollständiger Auftritt werden. Eine Revanche wäre der bislang größte Schritt seiner New Yorker Woche.
