Die ATP erwägt ab 2028 deutliche Einschnitte bei den Doppelbewerben. Kleinere Felder und eine neue Verteilung des Preisgeldes sollen mehr Mittel für Einzelspieler außerhalb der absoluten Spitze freimachen. Eine vollständige Abschaffung des Doppels steht nach Angaben von ATP-Board-Mitglied Herwig Straka nicht zur Debatte.
Derzeit fließen bei ATP-Turnieren ungefähr 80 Prozent des Preisgeldes ins Einzel und 20 Prozent ins Doppel. Hinter der Reform steht die Frage, ob Doppelpartien auch einen vergleichbaren Anteil an Zuschauerinteresse und Turniereinnahmen erzeugen.
Spieler zwischen Rang 30 und 100 im Blick
Straka, zugleich Direktor der Erste Bank Open in Wien, verteidigt die Neuordnung. Das zusätzlich verfügbare Geld soll vor allem Einzelprofis zwischen den Weltranglistenplätzen 30 und 100 erreichen. Diese Spieler tragen nach seiner Argumentation wesentlich zum Turnierprogramm bei, verfügen jedoch nicht über die finanzielle Sicherheit der größten Stars.
Damit wird kein neues Geld geschaffen, sondern vorhandenes Preisgeld innerhalb des Profizirkus verschoben. Für Doppelspezialisten kann das empfindliche Verluste bedeuten. Wie stark die Einbußen ausfallen, ist noch Teil der Verhandlungen.
Kleinere Felder verändern Karrierewege
Die ATP will das Doppel mit weniger Teams fortführen. Zugleich soll verhindert werden, dass junge Profis früh auf eine Einzelkarriere verzichten, weil im Doppel schneller verlässliches Einkommen erreichbar ist. Für bereits etablierte Spezialisten ist eine mehrjährige Übergangsphase vorgesehen.
Diese Logik birgt einen Widerspruch. Sinkende Startplätze und Prämien können Talente vom Doppel fernhalten, schwächen jedoch ebenso jene Spieler, die eine eigene Disziplin auf höchstem Niveau aufgebaut haben. Weniger Teams bedeuten außerdem weniger unterschiedliche Paarungen und geringere Chancen für lokale Spieler, bei Heimturnieren sichtbar zu werden.
Entscheidung fällt in Turin
Über die konkreten Maßnahmen soll beim ATP-Finale in Turin entschieden werden. Das Doppel ist dabei nur ein Teil eines größeren Reformpakets. Auch Tableaugrößen und die künftige Gewichtung der Turnierkategorien stehen zur Diskussion.
An den verlängerten Masters-1000-Veranstaltungen will die ATP bis mindestens 2031 festhalten. Seit 2023 werden dort 50 Prozent der entsprechenden Einnahmen mit den Spielern geteilt. Zusätzlich sollen die Masters und 500er-Turniere weiter aufgewertet werden.
Die Debatte dreht sich deshalb nicht allein um Tradition. Sie betrifft die Frage, wie eine Tour wirtschaftlichen Ertrag, sportliche Vielfalt und existenzfähige Karrierepfade austariert. Das Doppel wird voraussichtlich bleiben, könnte jedoch deutlich schmaler werden. Ob daraus ein konzentrierteres Produkt oder ein langsamer Bedeutungsverlust entsteht, hängt davon ab, wie viel Sichtbarkeit und Einkommen nach der Reform tatsächlich übrig bleibt.
