Alexander Zverev steht im Kampf um die Nummer eins vor einer ungewöhnlichen Konstellation. In der offiziellen Weltrangliste führt Jannik Sinner mit 11.000 Punkten noch deutlich vor dem Deutschen mit 9.630. Im Race, das nur die Ergebnisse des Jahres 2026 zählt, liegt Zverev dagegen mit 8.650 vor Sinner mit 7.950 Punkten.
Zwei Grand-Slam-Titel haben Zverev in diese Position gebracht. Sinner gewann Wimbledon und sammelte zudem viele Punkte bei Masters-Turnieren. Knieprobleme zwangen den Italiener nun zur Absage in Peking, auch sein Start in Shanghai ist gefährdet. Ein italienischer Bericht stellte sogar eine Operation in den Raum.
Wenig zu verteidigen verändert die Rechnung
Zverev muss bis zum Saisonende vor allem Punkte aus einem Finale in Wien und einem Halbfinale in Paris verteidigen. Damit besitzt er mehrere Möglichkeiten, die Lücke in der Weltrangliste zu verkleinern. In Peking beginnt er als Topgesetzter gegen Cameron Norrie.
Die beiden Tabellen zeigen, warum das Rennen offen ist. Sinners Vorsprung in der 52-Wochen-Rangliste stammt aus Erfolgen, die nach und nach ersetzt werden. Zverevs Führung im Jahresrace bedeutet hingegen, dass er 2026 bislang mehr Punkte gesammelt hat. Sollte Sinner nicht mehr antreten können, würde dieser Vorsprung zum entscheidenden Maßstab für die Nummer eins am Jahresende.
Ein Comeback des Italieners würde Zverev dagegen zu einem starken Schlussabschnitt zwingen. Die medizinische Unsicherheit des Konkurrenten schafft eine Chance, ersetzt aber nicht die Ergebnisse, die der Deutsche selbst liefern muss.
Andy Murray liefert das historische Modell
Vor zehn Jahren drehte Andy Murray ein ähnlich anspruchsvolles Rennen. Er gewann 2016 nacheinander in Peking, Shanghai, Wien, Paris und bei den ATP Finals und verdrängte Novak Djokovic von der Spitze.
„Das war meine einzige Chance, die Nummer 1 zu werden“, sagte Murray rückblickend. Nach den US Open habe er noch weit zurückgelegen. Sein Beispiel zeigt, wie stark ein konzentrierter Jahresendspurt die Rangliste verändern kann, ohne zu behaupten, dass Zverev dieselbe Siegesserie benötigt.
Die Führung im Race gibt Zverev Kontrolle
Zverev muss nicht darauf hoffen, dass eine ferne Rechenchance plötzlich entsteht. Er führt bereits die Wertung des laufenden Jahres und kann diese Position mit eigenen Resultaten sichern. Sinners Gesundheitszustand bestimmt lediglich, wie groß der notwendige Endspurt ausfällt.
Der Vergleich mit Murray ist deshalb Ansporn und Warnung zugleich. Fünf Titel in Folge sind kein normaler Maßstab. Zverevs günstigere Ausgangslage bedeutet, dass er nicht jede Station gewinnen muss. Er darf die vorhandene Chance jedoch auch nicht allein als Folge von Sinners Knieproblemen betrachten.
