Kei Nishikoris 19 Jahre lange Profikarriere ist bei seinem Heimturnier in Tokio zu Ende gegangen. Der 36-Jährige verlor sein Auftaktmatch gegen Frances Tiafoe mit 4:6 und 4:6. Nishikori hatte zuvor angekündigt, nach den Japan Open zurückzutreten, und war per Wildcard ins Hauptfeld gekommen.
Der letzte Auftritt endete sportlich nüchtern, doch die Verabschiedung stellte Nishikoris Bedeutung weit über dieses Ergebnis. Zahlreiche frühere und aktuelle Spitzenspieler schickten Videobotschaften. Carlos Alcaraz, Novak Djokovic und Andy Murray gehörten zu den prominenten Wegbegleitern, die seine Karriere würdigten.
Respekt für einen außergewöhnlichen Konkurrenten
Djokovic erinnerte an die gemeinsamen Duelle und hob besonders Nishikoris Umgang mit körperlichen Rückschlägen hervor. Alcaraz formulierte seine Würdigung knapp: „Danke, dass du der Tour und deinen Fans großartige Erinnerungen beschert hast.“
Diese Worte treffen den Kern von Nishikoris Laufbahn. Seine größten Resultate zeigen, wie hoch sein sportliches Niveau lag: Er gewann zwölf ATP-Titel, holte 2016 Olympiabronze und erreichte 2014 das Finale der US Open. Bei den ATP Finals stand er 2014 und 2016 jeweils im Halbfinale. In der Weltrangliste kam er bis auf Platz vier. Bei den Australian Open, den French Open und in Wimbledon erreichte er mehrfach das Viertelfinale. In New York folgten nach seinem Finale noch Halbfinalteilnahmen 2016 und 2018. Diese Konstanz über verschiedene große Bühnen erklärt den Respekt seiner ehemaligen Gegner.
Tokio schließt den Kreis
Nishikori gewann die Japan Open zweimal. Dass sein letzter Einsatz ausgerechnet dort stattfand, gab der Niederlage gegen Tiafoe eine andere Bedeutung. Das Publikum sah keinen langen Abschiedslauf, konnte den wichtigsten japanischen Spieler seiner Generation jedoch auf vertrauter Bühne verabschieden.
Alcaraz bedankte sich für die Erinnerungen, die Nishikori der Tour und seinen Fans geschenkt habe. Murray lobte dessen Fähigkeiten und besonders die Rückhand. Die Botschaften zeigen, dass Nishikori nicht allein über Titel bewertet wird. Sein Spiel und seine Beharrlichkeit prägten auch jene Gegner, die regelmäßig gegen ihn antraten.
Tiafoes Zweisatzerfolg beendete den sportlichen Teil, doch er verkleinerte Nishikoris Bilanz nicht. Der Japaner verlässt die Tour als Grand-Slam-Finalist, Olympiamedaillengewinner und zwölffacher Turniersieger. Sein letzter Platz war derselbe, an dem er zwei seiner größten Heimerfolge gefeiert hatte. Diese Verbindung machte Tokio zum passenden Schlusspunkt, auch wenn das Match selbst ohne sportliches Happy End blieb.
