Nach Carlos Alcaraz’ Rückkehr auf den Tennisplatz folgten umgehend zahlreiche Prognosen über seine Zukunft und seine Chancen bei den US Open.
Der Spanier selbst wusste nach der langen Pause nicht genau, was er von seinem Spiel erwarten konnte. Viele Experten lagen mit ihren Einschätzungen deutlich daneben. Allerdings gab es auch zahlreiche Stimmen, die Alcaraz unterstützten – im Wissen, dass er selbst nach einer langen Auszeit wahrscheinlich noch immer Tennis auf sehr hohem Niveau zeigen kann.
Carlos Alcaraz kehrte mit vielen Fragezeichen zu den US Open zurück. Doch bereits nach zwei Partien musste Greg Rusedski einräumen, dass seine Prognose über den Spanier falsch gewesen war.
Vor dem Turnier hatte der ehemalige britische Weltranglistenerste nicht geglaubt, dass Alcaraz nach mehr als vier Monaten Pause wegen einer Handgelenksverletzung in New York bereit für den Wettkampf sein würde. Der 23-Jährige hatte 139 Tage lang kein Einzelmatch bestritten. Daher war fraglich, ob er bei einem Grand-Slam-Turnier überhaupt mehrere Partien würde bestreiten können.
Alcaraz hat diese Zweifel jedoch schnell ausgeräumt. In der ersten Runde bezwang er Roman Safiullin mit 6:4, 6:4, 6:4. Anschließend verkraftete er den Verlust des ersten Satzes gegen Jaime Faria und setzte sich mit 4:6, 6:0, 6:3, 6:2 durch.
Rusedski gibt seinen Irrtum bei Alcaraz zu
Rusedski verfolgte die zweite Partie und musste seine Einschätzung anschließend korrigieren.
„I’ve got to eat my words, ladies and gentlemen, Alcaraz is looking very good“, sagte Rusedski in seinem Podcast.
„The good sign is that the wrist is ok.
What he’s doing is quite incredible. I’ve never seen anybody come back with their first tournament as a major.“
Auch Alcaraz’ Reaktion darauf, dass Faria den ersten Satz gewonnen hatte, gefiel Rusedski.
„The other guy from Portugal played very well, 141mph serve, 6-4, and then Alcaraz put the afterburners on.
6-0 in the next set and wins the next two sets to come through in four sets.
From my point of view, loving the emotion, loving the energy, loving that the wrist has no problems.“
Der ehemalige Finalist der US Open hatte Alcaraz aufgrund der langen Auszeit zuvor äußerst skeptisch beurteilt. Bislang zeigt der Spanier jedoch, dass sein Tennis während der monatelangen Pause nicht verschwunden ist.
Nach seinem Sieg gegen Safiullin gab Alcaraz zu, dass sich bei seiner Rückkehr sogar die normale Routine an einem Spieltag ungewohnt angefühlt habe.
„I kind of forgot what match day looks like. I didn’t actually remember what I used to do in the warm-up. That's why I was really nervous, because I just kind of forgot the competition“, sagte er.
Der siebenfache Grand-Slam-Champion freute sich jedoch über etwas anderes noch mehr: Sein Handgelenk bereitete ihm keine Schmerzen.
„I felt great. I don't know how it looked from outside, but from inside, my feeling was that I was hitting normal. I was playing pretty normal, playing my style. The arm, the wrist, everything felt great. I’m just really happy it’s pain-free finally.“
Ein solches Lob von wichtigen Persönlichkeiten des Tennis bedeutet Carlos sicherlich viel. Schließlich verfügt der Spanier bereits über großes Selbstvertrauen. Dennoch versucht er, nach der langen Wettkampfpause nicht zu viele Erwartungen zu wecken.
Alcaraz reist zudem als Titelverteidiger und Nummer drei der Weltrangliste nach New York. Sollte er den Titel erneut gewinnen, wäre er der erste Mann seit Roger Federer im Jahr 2008, der die Einzelkonkurrenz der US Open erfolgreich verteidigt. Auch deshalb wird jede Partie seines Comebacks mit besonderer Aufmerksamkeit verfolgt.
Alcaraz will nicht zu weit vorausblicken
Auch die Partie in der zweiten Runde war ein wertvoller Test, da Faria ihn über vier Sätze forderte. Anschließend betonte Alcaraz, dass ihm die schwierigen Emotionen des Wettkampfs sogar gefehlt hätten.
„I missed the nerves, the pressure, the tense and difficult moments, and the challenge of figuring out how to handle them“, sagte Alcaraz nach dem Match.
Außerdem stellte er klar, dass es in dieser Phase wichtiger sei, gesund zu bleiben, als bereits an die Trophäe zu denken.
„Right now, I don’t have expectations beyond trying to remain as healthy as possible and finishing the tournament healthy, regardless of how far I go.
„In the important moments, I don’t think about anything beyond doing what I have to do: playing aggressively, maintaining my style and not losing my identity.“
Rusedski denkt derweil bereits deutlich weiter voraus. Seiner Ansicht nach könnte Alcaraz eines Tages in den Kreis der Spieler mit mehr als 20 Grand-Slam-Titeln vorstoßen, sofern sein Körper ihm eine lange Karriere ermöglicht.
„Well, if he wins this Slam, it’s already number eight.
He’s on course for the 20+ zone, possibly if he can stay healthy, and health is your wealth.“
In der dritten Runde trifft Alcaraz nun auf Wu Yibing. Während manche Beobachter von einer vergleichsweise einfachen Aufgabe für den Spanier ausgehen, will Carlos Alcaraz seinen Gegner zu keinem Zeitpunkt unterschätzen – insbesondere nicht nach der langen Pause.
In den kommenden Tagen und Wochen wird sich immer deutlicher zeigen, wo Alcaraz aktuell sportlich steht. Seine Auftritte werden daher weiterhin mit großer Aufmerksamkeit verfolgt.
