Carlos Alcaraz ist nach mehr als vier Monaten Pause überzeugend ins Viertelfinale der US Open eingezogen. Seine Grundschläge wirken wieder explosiv, doch Ajla Tomljanovic erkennt beim Aufschlag weiterhin Spuren der Handgelenksverletzung. Die bisherigen Zahlen zeigen, wie Alcaraz diesen Rückstand durch hohe Trefferquoten, starke Returns und Kontrolle von der Grundlinie ausgleicht.
Der Schlagarm liefert unterschiedliche Signale
Carlos hatte vor seiner Rückkehr seit Monaten kein Einzel bestritten. Nach einem Einsatz im Mixed-Wettbewerb gewann er seine ersten vier Matches und gab lediglich gegen Jaime Faria einen Satz ab. Im Achtelfinale besiegte er Tommy Paul mit 6:4, 6:3, 6:4.
Tomljanovic sieht zwischen Vorhand und Aufschlag einen auffälligen Unterschied. „Ich finde es wirklich beeindruckend, dass Carlos offenbar härter schlägt als vor der Verletzung, während sein Aufschlag noch nicht die Geschwindigkeiten erreicht, die wir davor gesehen haben“, sagte sie. „Das sagt uns ganz klar, dass sich das Handgelenksproblem beim Aufschlag stärker bemerkbar gemacht haben muss.“
Die Einschätzung passt zur Mechanik der beiden Schläge. Carlos kann aus der Bewegung und mit unterschiedlichen Treffpunkten Druck erzeugen. Beim Service muss das Handgelenk dagegen wiederholt eine sehr ähnliche, explosive Belastung aushalten.
Präzision ersetzt einen Teil der fehlenden Geschwindigkeit
Gegen Paul brachte Carlos 75 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld und gewann davon 72 Prozent. Er schlug drei Asse bei vier Doppelfehlern. Diese Werte deuten nicht auf maximale Dominanz beim Service hin, gaben ihm aber genügend Stabilität, um die Ballwechsel zu kontrollieren.
Entscheidend war auch sein Returnspiel. Alcaraz gewann 44 Prozent der Rückschlagpunkte und verbuchte 33 Winner gegenüber 18 bei Paul. Er musste den Gegner daher nicht allein mit dem ersten Aufschlag unter Druck setzen. Seine Qualität beim Return und in den Rallyes verschob die Belastung regelmäßig auf die andere Seite des Netzes.
Shelton prüft den nächsten Belastungsschritt
Im Viertelfinale trifft Alcaraz auf Ben Shelton. Der US-Amerikaner bringt einen deutlich kräftigeren Aufschlag mit und dürfte die Zahl der neutralen Ballwechsel reduzieren. Für Alcaraz wird es wichtig, die eigene Quote hoch zu halten und Sheltons zweite Aufschläge anzugreifen.
Der bisherige Turnierverlauf zeigt, dass die lange Pause seine Schlaghärte nicht grundsätzlich gebremst hat. Das fehlende Tempo beim Service bleibt dennoch eine relevante Feinheit. Gegen stärkere Gegner werden weniger freie Punkte und jeder Doppelfehler teurer. Alcaraz hat bislang genügend andere Lösungen gefunden; Shelton wird nun prüfen, ob dieses Gleichgewicht auch gegen maximalen Aufschlagdruck trägt.
