Carlos Alcaraz denkt nach seiner langen Handgelenkspause nicht nur an das nächste Match, sondern an die kommenden zehn bis 15 Jahre. Der Spanier fehlte nach seiner Verletzung in Barcelona rund viereinhalb Monate. Bei den US Open steht er inzwischen im Viertelfinale, obwohl er vor dem Turnier nicht wusste, wie sein Körper auf mehrere Best-of-five-Partien reagieren würde.
Alcaraz gewann in New York gegen Roman Safiullin, Jaime Faria, Wu Yibing und Tommy Paul. Auf diesem Weg gab er nur einen Satz ab. Die Ergebnisse zeigen, dass seine unmittelbare Leistungsfähigkeit zurückgekehrt ist. Seine Aussagen zum Kalender machen jedoch deutlich, dass der erfolgreiche Neustart nicht zu einer schnellen Rückkehr in einen vollen Turnierplan führen soll.
„Tennis kann sehr unberechenbar sein, weil man nicht weiß, wie viele Matches man gewinnen wird, ob ein Turnier nach einem Match oder nach sieben endet“, sagte Alcaraz. Gerade diese Unsicherheit erschwert langfristige Belastungsplanung. Eine Turniermeldung kann wenige Stunden Wettbewerb oder zwei Wochen intensives Tennis bedeuten.
Erholung wird Teil der Strategie
Alcaraz will deshalb stärker auf körperliche und mentale Signale reagieren. „Es wird davon abhängen, wie ich mich körperlich und mental fühle und ob ich zu Beginn, in der Mitte oder am Ende der Saison längere Pausen brauche“, erklärte er. Damit rückt Regeneration von einer Reaktion auf Verletzungen zu einem festen Bestandteil seiner Karriereplanung.
Für die kommende Saison hat er bislang nur Rotterdam bestätigt. Dort gewann er 2025, sagte 2026 nach den Australian Open jedoch ab. Weitere Verpflichtungen sollen offenbar erst dann folgen, wenn die Belastung sinnvoll eingeschätzt werden kann. Im laufenden Jahr stehen nach New York noch der Laver Cup, die Japan Open und das Six Kings Slam auf seinem Programm.
Langlebigkeit zählt mehr als Volumen
„Ich hätte gern eine sehr lange Karriere, die noch zehn oder 15 Jahre dauert“, sagte Alcaraz. „Deshalb will ich unbedingt auf meine mentale und körperliche Gesundheit achten.“ Für einen Spieler, dessen explosiver Stil von Geschwindigkeit, Richtungswechseln und hoher Schlagintensität lebt, ist das mehr als eine allgemeine Absichtserklärung.
Der bisherige US-Open-Lauf liefert ein starkes Argument für Geduld. Alcaraz wirkt konkurrenzfähig, ohne zuvor einen kompletten Hartplatzsommer gespielt zu haben. Gleichzeitig bleibt jedes weitere Match ein neuer Belastungstest für das Handgelenk.
Seine Planung folgt damit einer klaren Priorität: weniger Starts sollen nicht weniger Ehrgeiz bedeuten, sondern mehr Chancen auf große Titel über einen längeren Zeitraum. Der Erfolg dieser Strategie lässt sich nicht an einer einzelnen Saison messen. Er wird sich daran zeigen, ob Alcaraz in zehn Jahren noch um die wichtigsten Trophäen spielt.
