Carlos Alcaraz ist nach viereinhalb Monaten Verletzungspause erfolgreich auf die Tour zurückgekehrt, doch seine wichtigste Aussage bei den US Open betraf nicht das Handgelenk. Der siebenfache Grand-Slam-Sieger kündigte an, seinen Kalender künftig bewusster zu unterbrechen.
„In Zukunft werde ich einige Pausen einlegen“, sagte Alcaraz nach seinem Zweitrundensieg gegen Jaime Faria. Er ergänzte: „Vielleicht nicht vier Monate, sondern einen oder zwei Monate und dabei einige Turniere auslassen, weil es unmöglich ist, alle zu spielen.“
Belastung und Wettkampfrhythmus müssen zusammenpassen
Sein Lauf bis ins Viertelfinale von New York zeigte, dass die lange Pause seine Konkurrenzfähigkeit nicht grundsätzlich zerstört hatte. Erst Ben Shelton stoppte ihn in fünf Sätzen. Zuvor hatten Andy Roddick und Greg Rusedski bezweifelt, ob ein Grand-Slam-Turnier im Best-of-five-Format der richtige Ort für ein Comeback sei.
Die Diskussion verschiebt sich nun vom Comeback zur langfristigen Planung. Pausen können den Körper schützen und neue Motivation schaffen. Gleichzeitig braucht Alcaraz Matches, um seine Entwicklung fortzusetzen und bei den größten Turnieren wettkampfnah zu sein. Genau zwischen diesen beiden Anforderungen liegt die schwierige Entscheidung.
Damit wird jeder freiwillig ausgelassene Start zu einer bewussten sportlichen Priorität.
Patrick Mouratoglou hält einen vollständigen Endspurt für wichtig. Der frühere Trainer von Serena Williams verweist darauf, dass Alcaraz in dieser Karrierephase spielen müsse, zugleich jedoch Inspiration und körperliche Frische brauche. Er wünscht sich mindestens zwei Turniere in Asien und zwei Hallenauftritte vor dem Saisonende.
Schaukämpfe erhöhen den Erklärungsdruck
Alcaraz ist für den Laver Cup in London vorgesehen und wird auch beim lukrativen Six Kings Slam erwartet. Beide Veranstaltungen sichern ihm hohe Antrittsgelder. Entscheidet er sich parallel gegen reguläre Turniere, dürfte die Auswahl deshalb besonders genau betrachtet werden.
Das bedeutet nicht, dass jeder Auftritt dieselbe körperliche Belastung erzeugt. Es macht jedoch sichtbar, dass seine Planung aus sportlichen, gesundheitlichen und kommerziellen Entscheidungen besteht. Eine Pause wirkt überzeugender, wenn sie erkennbar der Erholung dient und nicht nur den Wettbewerbskalender verkürzt.
Bis zu den ATP Finals in Turin bleibt Alcaraz genug Zeit, Wettkampfpraxis aufzubauen. Sein Handgelenk hielt auch im langen Shelton-Match. Nun muss er zeigen, wie ein reduzierter Kalender funktionieren kann, ohne dass ihm vor den wichtigsten Aufgaben die Matches fehlen. Seine Rückkehr hat die medizinische Frage vorerst beantwortet; die Balancefrage begleitet ihn durch den Herbst.
