Carlos Alcaraz hat die späte Ansetzung seines US-Open-Viertelfinals gegen Ben Shelton kritisiert und eine maximale Endzeit ins Gespräch gebracht. Das Fünfsatzmatch begann erst nach 23 Uhr und endete um 3.33 Uhr so spät wie keine Partie zuvor in der Turniergeschichte. Shelton gewann, während im Stadion bis zum letzten Ballwechsel viele Plätze leer geworden waren.
Ein sportliches Geschenk mit zu hohem Preis
Für Alcaraz war das Turnier die Rückkehr nach mehr als vier Monaten Pause wegen einer Handgelenksverletzung. Trotz der Niederlage verließ er den Platz lächelnd, weil er den intensiven Wettbewerb vermisst hatte. Seine Freude ändert nichts an der Kritik am Zeitplan.
„Ich glaube, das ist zu viel“, sagte Alcaraz. Bei einem früheren Beginn hätte die Arena nach seiner Einschätzung voller sein können. Er wünsche sich eine Anpassung mit einer maximalen Endzeit um 23 Uhr oder einer anderen praktikablen Grenze.
Der Spanier bezeichnete das Viertelfinale zugleich als Geschenk und erklärte, er habe trotz des Leidens den Wettbewerb genossen. Gerade diese Unterscheidung ist wichtig: Alcaraz kritisiert nicht die Länge oder Qualität des Matches, sondern die Entscheidung, einen möglichen Fünfsatzklassiker so spät beginnen zu lassen.
Wimbledon bietet nur bedingt ein Modell
In Wimbledon gilt um 23 Uhr eine Sperrstunde, vor allem aus Rücksicht auf die Anwohner und den Heimweg der Zuschauer. Die US Open teilen ihren Tag dagegen in eine Tages- und eine Nachtsession. Ein starres Ende würde zu abgebrochenen Partien führen oder die Zahl der Abendmatches verringern.
USTA-Chef Craig Tiley verwies auf diese Schwierigkeit. Viele Menschen beklagten späte Endzeiten, lieferten aber keine Lösung; die Dauer eines Matches lasse sich nicht kontrollieren. Zugleich räumte er ein, dass niemand um 3.30 Uhr fertig werden wolle.
Der Beginn ist die steuerbare Größe
Die Matchdauer kann ein Veranstalter tatsächlich nicht bestimmen. Den Startzeitpunkt kontrolliert er sehr wohl. Wenn ein Viertelfinale erst nach 23 Uhr beginnt, wird ein historisch spätes Ende bei fünf Sätzen nicht zum unvorhersehbaren Ausnahmefall, sondern zu einem einkalkulierten Risiko.
Späte Sessions bringen hohe TV-Reichweiten und getrennte Ticketeinnahmen. Leere Ränge, belastete Spieler und schwierige Heimwege sind jedoch reale Kosten. Alcaraz’ Stellung im Herrentennis gibt der Debatte neues Gewicht. Eine flexible Startgrenze wäre womöglich realistischer als eine harte Sperrstunde und könnte verhindern, dass das nächste große Match sein Publikum erneut bis weit in den Morgen verliert.
