Die ehemalige italienische Schwimm-Olympiasiegerin Federica Pellegrini hat sich kritisch zum Dopingfall von Tennisstar Jannik Sinner geäußert. In einem Interview mit La Repubblica äußerte sie den Verdacht, dass der Fall Sinner „anders behandelt wurde“ als bei anderen Sportlerinnen und Sportlern.
Sinner, derzeit die Nummer 1 der Tenniswelt und dreifacher Grand-Slam-Sieger, war im März 2024 zweimal positiv auf das verbotene Steroid Clostebol getestet worden. Die Testergebnisse wurden jedoch erst im August öffentlich. Die International Tennis Integrity Agency (ITIA) sah in ihrem Urteil „keine Schuld oder Fahrlässigkeit“ bei Sinner.
Der 23-Jährige hatte erfolgreich argumentiert, dass sein Physiotherapeut Giacomo Naldi eine Creme mit Clostebol benutzt hatte und ihn anschließend ohne Handschuhe massierte. Trotz der Freistellung durch die ITIA legte die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) Einspruch ein. Im Zuge eines Vergleichs akzeptierte Sinner eine dreimonatige Sperre.
Kritik an der Auslegung der Regeln
Pellegrini versteht nicht, warum in diesem Fall die Regeln der „strikten Verantwortung“ nicht voll angewandt wurden. „Jannik ist beliebt und wird deshalb in jeder Hinsicht verteidigt, egal was passiert, und ich finde das auch richtig“, erklärte sie. „Allerdings glaube ich, dass sein Fall anders behandelt wurde als 99 % der anderen Athleten.“
Sie verwies auf die permanente Kontrolle, der Leistungssportler unterliegen, und stellte die Bedeutung der sogenannten Teamverantwortung heraus: „Es ist nicht meine Schuld, wenn mein Physio ein Bier trinkt und jemanden umfährt, aber es wird zu meiner Verantwortung, wenn er eine Creme aufträgt und ich positiv teste.“
Gerade deshalb sei der Fall Sinner „seltsam“. „Diese Regel gilt für alle. Warum sollte es hier anders laufen?“
Sinners Sperre begann im Februar 2025 und endet am 4. Mai. Er plant sein Comeback beim Italian Open in Rom und wird danach auch beim Hamburg Open aufschlagen. Ziel ist ein weiterer Grand-Slam-Titel bei den French Open.
