Jannik Sinner hat Novak Djokovic beim Six Kings Slam in Riad mit 6:4, 6:2 klar besiegt. Eine Statistik der Netflix-Übertragung lieferte den Schlüssel: Sinners durchschnittlicher Treffpunkt lag fast drei Meter weiter vorne als der des Serben. Dadurch war der Italiener in den meisten Ballwechseln im Vorwärtsgang, Djokovic wirkte häufig gehetzt und kam selten in stabile Schlagpositionen.
Djokovic gestand anschließend seine Unterlegenheit ein: „Es fühlte sich an wie ein Zug ohne Bremsen. Er hat den Ball von überall her brutal getroffen. Er war einfach zu gut. Glückwunsch an ihn und viel Erfolg im Finale.“ Er blickte zugleich nach vorn: „Es wird für mich immer schwieriger, gegen Jannik und Carlos (Alcaraz) zu gewinnen. Ich werde sie weiter herausfordern, bis es klappt.“
Timing, Druck, Durchschlagskraft
Die aggressive Feldposition nahm Djokovic Zeit und Raum. Sinner setzte den ersten Schlag früh, schob den Gegner zurück und hielt das Tempo hoch. Ex-Profi Tim Henman zeigte sich am Mikrofon verblüfft: „Dieser Unterschied ist erstaunlich. Normalerweise ist schon ein halber Meter viel, aber drei Meter sind enorm. Er nimmt die Zeit weg, trifft den Ball früh und schlägt dazu mit großer Power und Durchdringung.“
Sinners Vorhand ist inzwischen eine verlässliche Waffe, doch auch die Rückhand produziert Druck, oft aus der Luft mit vollem Körpereinsatz. Das passt zu einem Trend an der Spitze: Sinner und Carlos Alcaraz rücken bei neutralen Rallyes früh in den Platz, nehmen dem Gegner die Vorbereitung und diktieren die Richtung.
Sinner beschrieb die Rivalität so: „Ich habe das Gefühl, wir sind zwei verschiedene Spieler und zwei verschiedene Menschen, auf und neben dem Platz. Wir treiben uns an die Grenzen und versuchen jedes Mal, ein paar Dinge taktisch zu ändern. Die Matches entscheiden sich oft über wenige Punkte. Wer diese gewinnt, holt meist den Satz oder das Spiel. Ein guter Start wird auf beiden Seiten sehr wichtig sein.“
