Jannik Sinner trainiert wieder, doch Italiens Davis-Cup-Kapitän Filippo Volandri vermeidet jede voreilige Zusage für die Finalrunde. Nach fast 50 Tagen Pause wird die Belastung des Weltranglistenersten schrittweise erhöht. Damit gibt es ein positives Signal für sein Comeback, aber noch keinen festen Zeitpunkt für die Rückkehr in den Wettbewerb.
Sinner bestritt sein letztes Match im Wimbledon-Finale, in dem er Alexander Zverev bezwang und seinen Titel verteidigte. Danach sagte er sowohl die Turniere in Kanada und Cincinnati als auch die US Open wegen einer Knieverletzung ab. Inzwischen steht auch hinter möglichen Starts in Peking und Shanghai ein Fragezeichen.
Training ersetzt noch keine Freigabe
Volandri kennt den aktuellen Stand aus dem Austausch mit Sinners Umfeld. „Jannik trainiert seit etwa zehn Tagen und steigert die Belastungen, denen er ausgesetzt ist, allmählich“, sagte der Kapitän. Die lange Pause erkläre, warum dieser Aufbau bewusst gestaffelt werde.
Der Hinweis ist wichtig, weil die reine Rückkehr auf den Trainingsplatz leicht als unmittelbar bevorstehendes Match-Comeback gelesen werden kann. Volandri meldet zwar, Sinner trainiere gut, verbindet diese Einschätzung jedoch nicht mit einem Turnierdatum. Nach einer Knieverletzung ist die Fähigkeit, regelmäßig höhere Belastungen zu verkraften, der entscheidende nächste Schritt.
Der Kapitän traut Sinner zu, nach der Unterbrechung schnell wieder konkurrenzfähig zu sein. Er erinnert daran, dass der Italiener schon nach seiner Pause im Zusammenhang mit der Clostebol-Affäre die Erwartungen übertroffen habe. Diese Erfahrung liefert Zuversicht, ist jedoch keine Garantie für denselben Verlauf bei einer körperlichen Verletzung.
Italien kann die Entscheidung abwarten
Die Davis-Cup-Endrunde findet vom 24. bis 29. November in Bologna statt. Italien trifft im Viertelfinale auf Südkorea. Volandri will die Gespräche mit seinen Spielern erst näher am Wettbewerb führen und stellt für Sinner eine Bedingung klar: „Die Priorität besteht offensichtlich darin, wieder 100 Prozent zu erreichen, deshalb braucht er dafür so viel Zeit, wie er benötigt.“
Italien muss seinen wichtigsten Spieler daher nicht in eine frühe Zusage drängen. Das Team gewann die Endrunde im vergangenen Jahr auch ohne ihn, angeführt von Matteo Berrettini und Flavio Cobolli. Sinner war dagegen an den Titeln 2023 und 2024 beteiligt.
Diese Tiefe schafft einen wertvollen Puffer. Seine Rückkehr würde Italiens Möglichkeiten erweitern, besonders mit Blick auf ein mögliches Finale gegen Spanien. Die verantwortliche Reihenfolge bleibt jedoch klar: Zuerst muss das Knie den steigenden Trainingsumfang bestätigen, erst danach wird der Davis Cup zu einer konkreten Option.
