Jannik Sinner steht offenbar kurz vor der Rückkehr auf die ATP-Tour. Der Weltranglistenerste soll am Wochenende nach China reisen, um sich auf das Turnier in Peking vorzubereiten. Damit würde sich die vorsichtige Variante bestätigen: Der Italiener verzichtete nach seiner Knieverletzung auf die US Open, könnte aber rechtzeitig für die entscheidende Phase im Kampf um Platz eins wieder einsteigen.
Das Comeback bekommt einen konkreten Ort
Seit seinem Wimbledon-Triumph im Juli hat Sinner kein Match mehr bestritten. Über die Schwere der Knieprobleme gab es unterschiedliche Einschätzungen, weil sein Team nur wenige Einzelheiten veröffentlichte. Die erwartete Reise nach Peking wäre deshalb mehr als eine Terminmeldung. Sie würde zeigen, dass Sinner wieder an einen regulären Turnierbetrieb herangeführt werden kann.
In Peking wartet ein starkes Feld. Alexander Zverev, Novak Djokovic und Félix Auger-Aliassime gehören zu den gemeldeten Spielern. Sinner kennt die Bedingungen zudem bestens: Im Vorjahr gewann er dort den Titel. Eine Rückkehr an einen erfolgreichen Ort bietet sportliche Sicherheit, garantiert nach der langen Pause jedoch keine sofortige Bestform.
Schon seine Teilnahme würde dem Feld einen weiteren fünffachen Grand-Slam-Champion hinzufügen.
Platz eins gerät unter Druck
Sinners Ranglistenführung ist in den kommenden Wochen gefährdet, weil er viele Punkte verteidigen muss. Zverev kann dagegen nach seinen Titeln bei den French Open und US Open weiter Boden gutmachen. Der Deutsche ordnete die Kräfteverhältnisse trotzdem zurückhaltend ein.
„Man muss alles berücksichtigen“, sagte Zverev nach seinem Erfolg in New York. Angesichts von Sinners Verletzung und Carlos Alcaraz’ Rückkehr nach vier Monaten könne man ihn derzeit vielleicht vorne sehen. Seine grundsätzliche Bewertung blieb eine andere: „Wenn alle gesund sind, liegt Jannik meiner Meinung nach immer noch vorn. So einfach ist das.“
Belastbarkeit zählt mehr als ein frühes Ergebnis
Für Sinner wird in Peking nicht allein das Abschneiden entscheidend sein. Wichtiger ist, wie das Knie mehrere Matches, Richtungswechsel und kurze Regenerationszeiten verkraftet. Ein kontrollierter Start könnte ihm die Grundlage für die weiteren Aufgaben in Asien und den Saisonabschluss geben.
Die Absage für New York kostete Sinner die Chance auf einen weiteren Grand-Slam-Titel, vermied aber das Risiko eines verfrühten Comebacks im Best-of-five-Format. Peking bietet eine besser dosierbare Belastung. Wenn die Reise tatsächlich erfolgt, endet die Phase der Vermutungen. Erst auf dem Platz wird sich jedoch zeigen, ob aus medizinischer Freigabe schon wieder die Dominanz des Weltranglistenersten werden kann.
