Was fehlt Jannik Sinner wirklich – und wann wird er auf die Tour zurückkehren? Diese Fragen stellen sich italienische Fans und Tennisinteressierte weiterhin. Eine offizielle Antwort des Weltranglistenersten gibt es bislang praktisch nicht.
Die einzigen Informationen aus Südtirol kommen, wenn Sinner seine Teilnahme an Turnieren absagt, für die er ursprünglich gemeldet war. Zuletzt betraf dies das ATP-500-Turnier in Peking.
Wann der 25-Jährige auf die Tour zurückkehrt, ist weiterhin offen. Selbst eine Tennislegende wie Corrado Barazzutti kann die zurückhaltende Kommunikation aus Sinners Umfeld nicht nachvollziehen. Im Gespräch mit Tuttosport äußerte der frühere italienische Davis-Cup-Spieler seine Sorge um den Gesundheitszustand des fünfmaligen Grand-Slam-Champions. Zugleich nahm er die Turnierplanung Sinners und den gesamten ATP-Kalender kritisch unter die Lupe.
Sinner fällt weiter aus
Der ehemalige Weltranglistensiebte gibt zu, kein gutes Gefühl im Hinblick auf Sinners Verletzung zu haben: „Sagen wir, ich bin besorgt – auch wenn ich nicht viele Informationen habe. Es ist von einer Entzündung einer außerhalb des Gelenks liegenden Sehne die Rede. Das Problem ist, dass wir ihn seit fast drei Monaten nicht mehr auf dem Platz gesehen haben. Wenn ein Spieler wie er so lange fehlt, kommen zwangsläufig Zweifel auf.“
Auch das Schweigen aus dem Umfeld des 25-jährigen Italieners beschäftigt Barazzutti: „Was ich nicht verstehe, ist, warum man nicht einfach einen medizinischen Bericht veröffentlichen und sagen kann: Das ist das Problem, er wird in drei oder vier Monaten zurückkehren. Ich verstehe, dass die Privatsphäre an erster Stelle steht. Aber wenn es um die Nummer eins der Welt geht, würde eine etwas klarere Erklärung zumindest allen eine Orientierung geben. Andernfalls heizt das – wie Sie gesagt haben – nur die Spekulationen an.“
Auch der dichte und überladene ATP-Kalender überzeugt den ehemaligen italienischen Tennisprofi nicht: „Ich würde nicht so sehr von zu vielen Spielen sprechen, sondern davon, dass der Kalender an einem bestimmten Punkt völlig zusammengedrängt ist. Die neun Masters-1000-Turniere wurden aus finanziellen Gründen von einer auf zwei Wochen verlängert. Dadurch hat sich die Saison noch weiter in die Länge gezogen und der Kalender ist zusätzlich überladen. Denken wir an die Abfolge Monte-Carlo, Madrid, Rom und Paris: Abgesehen von Monaco dauern die anderen Turniere jeweils zwei Wochen. Man wollte die Masters-Events den Grand-Slam-Turnieren angleichen – und das sind die Folgen. Wer in diesen Turnierblöcken weit kommt, hat keine Zeit zur Erholung, zum Training oder zur Regeneration. Das kann Verletzungen begünstigen.“
