Jannik Sinner wird nicht beim Masters in Shanghai antreten. Der Weltranglistenerste sagte das Turnier wegen anhaltender Knieprobleme ab und verlängert damit seine Pause, die seit dem Wimbledon-Finale gegen Alexander Zverev andauert.
„Leider werde ich dieses Jahr nicht wie erhofft beim Rolex Shanghai Masters spielen können“, teilte Sinner mit. Der fünfmalige Grand-Slam-Sieger hat seit seinem Finalerfolg in Wimbledon kein Match mehr auf der Tour bestritten.
Die Absage betrifft nicht nur Sinners eigenen Comebackplan. Sie verändert auch das Rennen um die Spitze der ATP-Weltrangliste, weil Zverev in Shanghai Punkte sammeln kann, während der Italiener sicher ohne neuen Ertrag bleibt.
Zwei Turniersiege würden Zverev an die Spitze bringen
Zverevs Rückstand beträgt 1370 Punkte. Der Hamburger spielt derzeit beim 500er-Turnier in Peking und kann seine Position bereits dort verbessern. Mit den passenden Ergebnissen könnte er nach Shanghai als erster Deutscher seit Boris Becker 1991 die Nummer eins der Welt werden.
Die Rechnung ist anspruchsvoll. Zverev benötigt den Titel in Peking und anschließend auch den Turniersieg beim Masters in Shanghai. Die Ausfälle Sinners beseitigen einen direkten Konkurrenten aus dem Feld, ersetzen jedoch keinen der Siege, die Zverev selbst holen muss.
Gerade deshalb ist die Entwicklung sportlich klar einzuordnen. Sinners Absage schafft eine Gelegenheit, keinen automatischen Wechsel. Zverev muss zwei hochwertige Turniere nacheinander gewinnen, um sie sofort zu nutzen.
Der Druck reicht über Shanghai hinaus
Sinner hat auch im weiteren Saisonverlauf viele Punkte zu verteidigen. Im vergangenen Jahr gewann er die Turniere in Wien und Paris sowie die ATP Finals in Turin. Jede weitere Pause kann den Vorsprung deshalb zusätzlich belasten.
Für einen Start bei den Erste Bank Open in Wien besteht noch Hoffnung, weil das Turnier erst in der letzten Oktoberwoche beginnt. Eine Zusage ist daraus nicht abzuleiten.
Zverev erhält damit eine seltene Chance, das Ranking aus eigener Kraft kurzfristig zu drehen. Gleichzeitig bleibt Sinners Gesundheit die entscheidende Variable für den restlichen Herbst. Eine Rückkehr in Wien würde ihm Möglichkeiten zur Verteidigung geben. Eine längere Pause würde Zverevs Angriff auch nach dem Asian Swing offenhalten.
Die nächsten Ergebnisse gehören Zverev, der nächste medizinische Zeitplan Sinner. Genau diese Trennung macht das Rennen um Platz eins derzeit so ungewöhnlich.
