Carlos Alcaraz fügte Novak Djokovic im Halbfinale der US Open eine schmerzhafte 4:6, 6:7(4), 2:6-Niederlage zu. Für viele Beobachter war dies mehr als nur ein sportlicher Rückschlag – es wirkte wie ein möglicher Schlusspunkt in der Karriere des 24-fachen Grand-Slam-Siegers.
Djokovic lächelte am Netz, als er Alcaraz gratulierte, und winkte anschließend ins Publikum im Arthur-Ashe-Stadium. War es ein gewöhnlicher Dank oder vielleicht ein stiller Abschied? Selbst Djokovic scheint noch nicht zu wissen, ob dies sein letzter Auftritt in New York oder gar auf der Tour war.
Die Jagd nach dem 25. Grand Slam könnte damit beendet sein. Gegen Alcaraz oder die aktuelle Nummer eins Jannik Sinner scheint der Serbe nicht mehr die Kraft zu haben, über fünf Sätze zu bestehen. Die Zeit arbeitet gegen ihn, auch wenn er in den ersten beiden Sätzen noch mithalten konnte.
Stimmen aus der Tenniswelt
Martina Navratilova, 18-malige Grand-Slam-Siegerin, kennt den Moment des Abschieds. Auf Sky Sports sagte sie: „Es ist furchtbar. Ich habe es selbst erlebt. Der Einsatz bleibt derselbe, das Gefühl ist gut, aber du triffst die entscheidenden Bälle nicht mehr. Früher hättest du sie mit geschlossenen Augen verwandelt. Das ist frustrierend. Der Einsatz stimmt, das Gefühl stimmt, aber das Ergebnis nicht. Gegen Alcaraz und Sinner braucht er jetzt Hilfe, das ist zu viel.“
Auch der frühere Profi Ryan Harrison äußerte Zweifel. „Carlos hat nicht sein bestes Match gespielt und trotzdem in drei Sätzen gewonnen. Das zeigt, wie sehr er sich verbessert hat, selbst in den letzten neun Monaten seit seiner Niederlage gegen Djokovic in Australien.“ Harrison sieht Alcaraz auf dem nächsten Level: „Er spielt gut, serviert unglaublich stark nach einigen Anpassungen. Und Djokovics Abgang nach dem Match wirkte nicht so, als wäre er sich sicher, ob er diesen Platz noch einmal betreten wird.“
Was kommt nach diesem Sommer?
Falls Djokovic in diesem Jahr keine regulären ATP-Turniere mehr spielt, bleibt nur das Showevent „Six Kings Slam“, bevor Mitte Januar die Australian Open starten. Der Serbe selbst betonte bereits mehrfach, mehr Zeit mit seiner Familie verbringen zu wollen. Die bittere Niederlage von New York dürfte diese Gedanken verstärken.
Sportlegenden voreilig abzuschreiben, ist riskant. Doch zu behaupten, Djokovic könne 2026 noch einmal Alcaraz und Sinner schlagen und einen weiteren Grand Slam gewinnen, wirkt zunehmend unrealistisch.
