Die Partien von Novak Djokovic stoßen stets auf großes Interesse – unabhängig davon, ob der Serbe gewinnt oder verliert.
Niederlagen haben in seiner Karriere bislang gewiss keinen großen Anteil ausgemacht. Umso überraschender ist es, wenn der serbische Tennisspieler früh aus einem Turnier ausscheidet – so wie diesmal. Die meisten Menschen sind beeindruckt von Einsatz und Leidenschaft eines 39-Jährigen wie Djokovic. Nahezu täglich erhält er von Kollegen und Rivalen Lob für seinen ungebrochenen Siegeswillen.
Nach Djokovics erneutem schmerzhaftem Aus bei den US Open sind alte Aussagen von Frances Tiafoe über den Serben wieder in den Fokus gerückt. Der US-Amerikaner äußerte sich allerdings nicht nach Djokovics Niederlage gegen Mariano Navone bei den US Open 2026.
Das Zitat stammt vielmehr von den US Open 2024, als Djokovic gerade in der dritten Runde an Alexei Popyrin gescheitert war. Tiafoe hatte Ben Shelton in fünf Sätzen bezwungen und bereitete sich auf sein Achtelfinalduell mit Popyrin vor, als er nach dem Serben gefragt wurde. Djokovic war damals nur wenige Wochen nach dem Gewinn der olympischen Goldmedaille in Paris nach New York gereist.
Zwei Jahre später verlässt Djokovic New York erneut deutlich früher als erhofft. Der 39-Jährige unterlag Navone in der ersten Runde nach vier Stunden und 36 Minuten mit 7:6(5), 5:7, 4:6, 6:2, 6:1. Erbrechen, Krämpfe, Rückenschmerzen und Schulterprobleme machten ihm im letzten Abschnitt der Partie große Schwierigkeiten.
Tiafoe äußerte sich nach Djokovics Aus bei den US Open 2024
Djokovics Situation im Jahr 2024 war eine andere. Er war zu den US Open gereist, nachdem er mit dem Olympiasieg in Paris eines der größten Ziele seiner Karriere erreicht hatte. Nach dem Gewinn der Medaille, die ihm in seiner Sammlung noch gefehlt hatte, war der Serbe von besonders starken Emotionen begleitet worden.
Trotzdem endete sein Aufenthalt in New York bereits in der dritten Runde. Popyrin bezwang den Titelverteidiger mit 6:4, 6:4, 2:6, 6:4. Djokovic leistete sich in der Partie 14 Doppelfehler. Damit blieb der Serbe in jener Saison erstmals seit 2017 ohne Grand-Slam-Titel.
Nach seinem eigenen Fünfsatzsieg gegen Shelton wurde Tiafoe auf Djokovic angesprochen. Der US-Amerikaner scherzte, dass er selbst wohl eine ganz andere Entscheidung getroffen hätte, wenn er alles erreicht hätte, was Novak erreicht hatte, und anschließend auch noch Olympiagold gewonnen hätte.
“If I did what he did after a gold medal, I'm just staying in Serbia, chilling, drinking like crazy,” Tiafoe sagte.
Der US-Amerikaner erklärte außerdem, genau das sei einer der Gründe, warum Djokovic der sei, der er ist. Zugleich betonte Tiafoe, dass er den Serben möge und regelmäßig mit ihm scherze. Überrascht zeigte er sich auch darüber, dass Novak – damals bereits 37 Jahre alt – nach einem derart emotionalen Sommer sofort zurückkehren und in New York antreten wollte.
Auch wenn Tiafoes Aussagen zwei Jahre zurückliegen, verdeutlichen sie, wie erstaunt manche Menschen darüber sind, dass Djokovic trotz aller Hindernisse weiterhin nach Erfolgen strebt. Während er damals 37 Jahre alt war, ist nun, zwei Jahre später, offensichtlich, dass sein Körper die enormen körperlichen Belastungen immer schwerer verkraftet. Viele erwarten daher, dass Djokovic möglicherweise eine Entscheidung über sein Karriereende treffen könnte.
Zwischen Tiafoe und den beiden US-Open-Turnieren besteht zudem eine interessante Verbindung. 2024 schaltete Popyrin zunächst Djokovic aus und wurde anschließend Tiafoes nächster Gegner. Der US-Amerikaner besiegte den Australier in vier Sätzen und erreichte schließlich das Halbfinale, wo er Taylor Fritz in fünf Sätzen unterlag.
Auch in diesem Jahr musste Tiafoe eine schwierige Auftaktpartie überstehen. Der an Nummer elf gesetzte US-Amerikaner drehte die Partie nach einem 1:2-Satzrückstand und bezwang Martin Damm nach drei Stunden und 48 Minuten mit 6:4, 4:6, 3:6, 6:3, 6:4.
Zwei Jahre später stellen sich erneut dieselben Fragen
Nach seiner letzten Partie sprach der serbische Tennisspieler mit den Reportern über seine Frustration. Auf dem Platz sei es extrem schwierig gewesen, da er mit Übelkeit und Schmerzen zu kämpfen gehabt habe. Der 39-Jährige versuchte, seinen Rhythmus zu halten, sich gegen seinen Gegner zu behaupten und letztlich noch den Sieg zu holen. Sein Körper konnte den schwierigen Bedingungen und dem Tempo seines Gegners jedoch schlicht nicht mehr standhalten.
“I think it was obvious that it was an awful feeling on the court for me,” Djokovic sagte nach der Partie.
Der erfahrene Serbe betonte, dass ihn Erbrechen und andere körperliche Probleme durch weite Teile dieser Saison begleitet hätten. Zudem erklärte er, sein Körper könne anfangen zu “collapse”, wenn sich diese Beschwerden verschlimmerten.
Djokovic ist sich bewusst, dass er Maßnahmen ergreifen muss, um seine Karriere wieder in eine positive Richtung zu lenken. Nun steht ihm eine Phase bevor, die er für Arztbesuche nutzen könnte, um herauszufinden, wo die Hauptursache seiner Probleme liegt.
