Novak Djokovic bleibt auch mit 39 Jahren offen für Methoden seiner jüngeren Rivalen. Sein Physiotherapeut Carlos Costa berichtete, dass der Serbe das Sehtraining von Jannik Sinner genau beobachtet und sein eigenes Team gefragt habe, warum es keine vergleichbaren Übungen einsetzt.
Diese Neugier passt zu Djokovics weiterhin hohem Niveau. In seiner 24. Profisaison erreichte er das Finale der Australian Open und das Halbfinale von Wimbledon. Seine Langlebigkeit beruht dabei nicht nur auf Fitness, sondern auf der Bereitschaft, Routinen ständig zu überprüfen.
Costa beschreibt eine ungewöhnliche Konsequenz
„Ich habe noch nie etwas wie Novak Djokovic gesehen“, sagte Costa, der zuvor unter anderem mit Ana Ivanovic, Tommy Haas, Kevin Anderson, Dominic Thiem und Andrey Rublev arbeitete. „Seine Vision, was er jeden einzelnen Tag auf dem Platz investiert, und seine Intensität. Ich hatte zuvor etwas Ähnliches gesehen, aber nie mit Djokovics Konstanz.“
Costa erklärte, Djokovic achte auf jedes Detail und teste sogar sein Team, um zu prüfen, ob es wirklich nach den besten Erholungsstrategien und Behandlungen suche. „Zum Beispiel fragte er uns, warum Sinner Sehtraining macht und wir nicht. Er sucht ständig nach Wegen, der Beste der Welt zu sein.“
Sehtraining kann im Tennis mehrere Bereiche berühren, doch konkrete Inhalte oder Effekte wurden nicht genannt. Entscheidend ist deshalb weniger die einzelne Übung als Djokovics Reaktion darauf. Er betrachtet die Arbeit eines Rivalen nicht als fremdes Konzept, sondern als mögliche Information für die eigene Entwicklung.
Die direkte Bilanz erhöht die Relevanz
Djokovic gewann nur eines seiner letzten sieben Duelle mit Sinner. Dieser Erfolg kam allerdings in einem Fünfsatz-Halbfinale bei den Australian Open. Beide sind für das China Open gemeldet, das am 30. September beginnt, und könnten sich dort erneut begegnen.
Das Interesse am Sehtraining ist kein Eingeständnis eines einzelnen Defizits. Es zeigt vielmehr, wie Djokovic Konkurrenz analysiert. Selbst nach 24 Grand-Slam-Titeln bleibt sein System offen für Veränderungen, wenn ein Gegner eine interessante Methode nutzt.
Für Sinner ist diese Aufmerksamkeit ein indirektes Kompliment. Für Djokovic ist sie Teil einer Arbeitsweise, die Alter nicht als Grund für Stillstand akzeptiert. Der Abstand zu einem jüngeren Rivalen lässt sich nicht mit einer Übung schließen. Die konsequente Suche nach kleinen Verbesserungen erklärt jedoch, warum Djokovic weiterhin in großen Endspielen auftaucht.
Peking könnte zeigen, ob die Beobachtung schon praktische Folgen im Training hatte.
