Novak Djokovic hat erklärt, warum er seine berühmten Imitationen anderer Tennisstars zu Beginn seiner Karriere weitgehend einstellte. Nicht sportlicher Ernst, sondern der Wunsch nach Anerkennung habe ihn verändert. Rückblickend sieht der Serbe darin den Versuch, eine Rolle zu erfüllen, die nicht seiner eigenen Persönlichkeit entsprach.
Der „Djoker“ verschwindet aus der Öffentlichkeit
2007 verbreitete sich ein Video, in dem Djokovic in einer Umkleidekabine bei den US Open Kollegen wie Andy Roddick, Rafael Nadal, Maria Sharapova, Roger Federer und Filippo Volandri nachahmte. Später zeigte er die Nummern auf großen Courts und erhielt viel Applaus. Einige Spieler empfanden die Darstellungen jedoch weniger unterhaltsam.
Djokovic reduzierte die Auftritte, während seine sportliche Karriere immer erfolgreicher und sein öffentliches Bild ernster wurde. Lange lag die Vermutung nahe, dass diese Veränderung Teil seiner Entwicklung zum kompromisslosen Konkurrenten gewesen sei. In Kevin Harts Sendung Cold As Balls beschrieb er nun einen persönlicheren Grund.
„Ich habe damit aufgehört, weil ich dazugehören und den Leuten gefallen wollte. Ich wollte zu jemandem werden, der ich nicht bin“, sagte Djokovic.
Persönlichkeit wird zur Leistungsfrage
Der entscheidende Perspektivwechsel kam, als Djokovic erkannte, dass dauernde Anpassung keine stabile Grundlage für eine lange Karriere bot. Sein daraus abgeleiteter Rat war, die eigene Persönlichkeit ebenso anzunehmen wie die spielerischen Fähigkeiten, durch die ein Profi im Individualsport heraussticht.
Diese Aussage passt besonders zum Tennis. Spieler stehen ohne Mannschaft auf dem Platz, tragen Verantwortung für jede Entscheidung und werden über viele Jahre als einzelne Figuren wahrgenommen. Technische Qualität gewinnt Matches, doch eine erkennbare Persönlichkeit schafft die Verbindung zum Publikum, die über Ergebnisse hinausreicht.
Authentizität bedeutet nicht Stillstand
Djokovic hat das Imitieren nie vollständig aufgegeben. Bei Trainingseinheiten tauchten später erneut humorvolle Nachahmungen auf. Der Unterschied liegt in der Motivation: Eine freiwillige Pointe ist etwas anderes als eine Rolle, die Zustimmung sichern soll.
Seine Rückschau romantisiert die frühen Reaktionen nicht. Manche Kollegen mochten die Imitationen tatsächlich nicht, und Rücksicht bleibt notwendig. Djokovic beschreibt vielmehr die Grenze zwischen berechtigtem Feedback und Selbstverleugnung.
Der junge „Djoker“ wollte gleichzeitig unterhalten, gewinnen und akzeptiert werden. Der erfahrene Djokovic erkennt, dass nicht alle drei Ziele kontrollierbar sind. Gerade ein Spieler, der über Jahre polarisiert hat, liefert damit eine ungewöhnlich klare Erklärung für seine Beständigkeit: Er musste aufhören, allgemeine Zustimmung mit persönlicher Glaubwürdigkeit zu verwechseln.
