Novak Djokovic hat bei seiner Rückkehr zu den China Open zwei unterschiedliche Prüfungen bestanden. Sportlich setzte er sich mit 6:3, 7:6 gegen Nuno Borges durch. Emotional traf er bei seinem ersten Auftritt in Peking seit elf Jahren auf ein voll besetztes Stadion mit rund 15.000 Zuschauern.
Der Erfolg hält Djokovics makellose Bilanz bei diesem Turnier am Leben. Bei seinen sechs früheren Teilnahmen gewann er jeweils den Titel. Diesmal kam er nach zwei Niederlagen gegen Thiago Agustín Tirante in Cincinnati und Mariano Navone bei den US Open ohne die gewohnte Siegesserie nach China.
Der Aufschlag stabilisiert den zweiten Satz
Im ersten Durchgang kontrollierte Novak das Ergebnis klarer. Im zweiten Satz steigerte sich Borges, während der Serbe körperlich Mühe hatte, frisch zu bleiben. Entscheidend war, dass seine eigenen Aufschlagspiele trotzdem verlässlich blieben.
Novak konnte dadurch vermeiden, dass die körperliche Belastung sofort zu einem spielerischen Einbruch führte. Hohe Quoten beim ersten Aufschlag erleichterten ihm die Servicegames, bevor er den Tiebreak konzentriert beendete. Das Resultat sagt deshalb mehr über seine Steuerung des Matches als über uneingeschränkte körperliche Dominanz aus.
In der zweiten Runde wartet Wildcard-Spieler Bu Yunchaokete. Bei einem weiteren Sieg könnte später ein Viertelfinale gegen Alexander Zverev entstehen. Zunächst muss Novak jedoch bestätigen, dass er nach dem fordernden Auftakt ausreichend Stabilität für die nächste Runde besitzt.
Die Kulisse übertrifft seine Erwartungen
Die Reaktion des Publikums überraschte selbst den erfahrenen Serben. „Ehrlich gesagt hatte ich beim ersten Match nicht mit einem vollen Haus gerechnet“, sagte Novak. Seine lange Abwesenheit hat die Verbindung nach Peking offenbar nicht geschwächt.
Die Zuschauerzahl war für ihn nicht nur eine freundliche Begleiterscheinung. Djokovic verband sie mit der Wertschätzung der chinesischen Fans für den Sport und mit seiner eigenen perfekten Turnierbilanz. Diese Unterstützung kann Energie geben, ändert jedoch nichts an den körperlichen Fragen, die im zweiten Satz sichtbar wurden.
Der Sieg liefert einen brauchbaren Belastungstest
Ein klarer Zweisatzerfolg war für Djokovic wertvoll, weil er keinen dritten Durchgang bestreiten musste. Gleichzeitig zwang Borges ihn zu einem engen Satz und damit zu genau der Drucksituation, in der Aufschlag und Tiebreak funktionieren mussten.
Peking begann für Djokovic folglich mit einem positiven, aber nicht sorgenfreien Signal. Sein Spiel reichte aus, um einen stärker werdenden Gegner abzuwehren. Der weitere Turnierweg hängt nun davon ab, ob die körperliche Belastung ähnlich gut kontrolliert werden kann wie die eigenen Servicegames.
