Boris Becker sieht Zverev als Favorit gegen Nadal

Zverev gegen Nadal: Ein episches Duell bei den French Open

by Faruk Imamovic
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Boris Becker sieht Zverev als Favorit gegen Nadal
© Getty Images/Adam Pretty

Die Auslosung der French Open hat bereits im Vorfeld für viel Aufsehen gesorgt. Durch Zufall und Setzliste kommt es gleich in der ersten Runde zu einem spektakulären Aufeinandertreffen: Olympiasieger Alexander Zverev trifft auf die Roland-Garros-Legende Rafael Nadal.

Ein Duell, das nicht nur sportlich, sondern auch emotional eine besondere Vorgeschichte hat. Doch ist Zverev tatsächlich im Vorteil gegen den Sandplatzkönig? Als die ehemalige Weltklassesprinterin Marie-José Pérec die Nummer vier aus dem Coupe de Mousquetaires zog, war die Spannung im Saal greifbar.

Nummer vier, das war Alexander Zverev. Und sein Gegner? Rafael Nadal. Schon in der ersten Runde. Ein echter Kracher.
Anders als bei großen Fußballturnieren sind solche spannenden Begegnungen bei Grand-Slam-Turnieren selten, da die besten Spieler der Welt meist erst in der zweiten Turnierwoche aufeinander treffen.

Doch die French Open 2024 bilden eine Ausnahme.

Historische Erinnerungen und neue Vorzeichen

Die Erinnerungen an das letzte Aufeinandertreffen der beiden sind noch frisch. Im Halbfinale 2022 knickte Zverev beim Stand von 6:7 (8:10), 6:6 um und musste mit einem Rollstuhl vom Platz gebracht werden.

Nadal eilte sofort herbei, um dem verletzten Deutschen Trost zu spenden. Zverev kam noch einmal zurück auf den Platz, um das Match offiziell aufzugeben – ein Moment, der den Fans im Gedächtnis bleiben wird. Für Zverev bedeutete diese Verletzung mehrere Bänderrisse und eine siebenmonatige Pause.

Der Weg zurück in die Weltspitze war steinig. Nun steht das nächste Duell bevor, allerdings mit anderen Vorzeichen. Dieses Mal spricht vieles für Zverev, so ungewöhnlich das auch klingen mag. „Nadal in Paris nicht als Favoriten zu nennen, fühlt sich irgendwie komisch an, aber trotzdem würde ich sagen, dass Sascha in dem Match leichter Favorit ist“, meint Tennis-Bundestrainer Michael Kohlmann.

Zverev in Topform, Nadal kämpft mit Verletzungen

Zverev geht in Topform in seinen Lieblings-Grand-Slam. Letzte Woche gewann er das prestigeträchtige Masters in Rom und kletterte auf Platz vier der Weltrangliste.

Eurosport-Experte Boris Becker lobte seine beständige Leistung in diesem Jahr und hob seine Fitness und Geduld hervor. „Formtechnisch ist Zverev wieder an dem Punkt, an dem er sich im Juni 2022 befunden hatte“, so Becker.

Zverev selbst zeigt sich selbstbewusst: „Wenn ich gut spiele, kann ich gegen jeden gewinnen. Ich muss mich auf mich selbst konzentrieren, um wie früher meinen Rhythmus in Paris zu finden. Dann habe ich alles selbst im Schläger.“ Nadal hingegen kämpft weiterhin mit seinem Körper.

Nach anderthalb Jahren Pause kehrte er Mitte April in Barcelona auf die Tour zurück, hatte aber seitdem Schwierigkeiten, seine Form zu finden. In Rom war bereits in der zweiten Runde gegen Hubert Hurkacz Schluss. Nadal, der auf seiner Abschiedstournee kämpft, scheint nicht mehr der unbesiegbare Spieler zu sein, der er einst war.

Der Mythos Nadal in Paris

Trotz seiner körperlichen Probleme bleibt Nadal in Paris eine Legende. 14 Mal hat er das Turnier gewonnen, seine Bilanz von 112 Siegen bei nur drei Niederlagen ist einzigartig. Sein langjähriger Rivale Novak Djokovic sieht ihn weiterhin als den größten Favoriten: „Wenn man über Roland-Garros spricht und Nadal ist dabei, ist er für mich immer der größte Favorit.“ Auch Boris Becker würde niemals gegen Nadal wetten, vor allem wegen der mystischen Aura, die Nadal in Paris umgibt.

„Wenn du auf Philippe-Chatrier gegen Rafa spielst und der Schiedsrichter sagt, 'hier kommt der 14-malige Sieger', dann wirst du kleiner - und Rafa immer größer“, erklärt Becker. Zverev steht nun vor der großen Chance, Nadals außergewöhnliche French-Open-Geschichte zu beenden und seine eigenen Dämonen von 2022 zu vertreiben.

Ob ihm das gelingt oder ob er an Nadals Mythos scheitert, bleibt abzuwarten. Die Spannung könnte kaum größer sein.

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