Roger Federer ist gemeinsam mit der früheren Spielerin und Kommentatorin Mary Carillo in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen worden. Beim Festakt in Newport stand jedoch nicht nur die Bilanz des Schweizers mit 20 Grand-Slam-Titeln im Mittelpunkt. Seine Frau Mirka führte ihn ein und machte sichtbar, wie eng der sportliche Weg des früheren Weltranglistenersten mit einer privaten Partnerschaft verbunden war.
Mirka erinnerte mit trockenem Humor an den Beginn ihrer Beziehung: „Als wir uns kennenlernten, hatte er exakt null ATP-Titel. Null.“ Später seien alle 103 Turniersiege gefolgt. Der Satz ordnete die berühmten Erfolge zeitlich ein, ohne sie größer machen zu müssen. Sie kannte Federer vor dem globalen Ruhm und begleitete jede Phase seines Aufstiegs.
Mehr als organisatorische Unterstützung
Beide lernten sich bei den Olympischen Spielen 2000 in Sydney kennen, als sie die Schweiz vertraten. Mirka erreichte in ihrer eigenen Karriere Rang 71 der Weltrangliste. 2009 heiratete das Paar; im selben Jahr kamen die Zwillingstöchter Charlene Riva und Myla Rose zur Welt. 2014 folgten die Zwillingssöhne Leo und Lenny.
Federer beschrieb seine Frau auf der Bühne als Trainerin, Einspielpartnerin, Realitätskontrolle und zeitweise auch Stilberaterin. Vor allem habe sie ihm gezeigt, wie er sich stärker auf Tennis konzentrieren und zugleich Freude außerhalb des Sports bewahren könne. Diese Rollen erklären, warum ihre Bedeutung nicht in einer üblichen Danksagung aufgeht. Mirka besaß eigene Tourerfahrung und verstand Belastung, Niederlagen sowie die ständige Reise aus der Perspektive einer Spielerin.
Die emotionale Pointe des Abends
Federer scherzte zunächst, er brauche Taschentücher und eine Sonnenbrille. Am Ende nannte er Mirka seine eigene Hall of Fame. Damit verschob er den Blick von Rekorden auf die Bedingungen, unter denen sie entstanden. Einzelerfolge werden im Tennis offiziell einer Person zugerechnet, doch eine zwei Jahrzehnte lange Spitzenkarriere hängt an Beziehungen, die Stabilität schaffen und schwierige Entscheidungen mittragen.
Mirka formulierte ihren Stolz ebenfalls außerhalb der Ergebnislisten. Am meisten bedeute ihr nicht, was Federer vor den Augen der Welt erreicht habe, sondern wer er sei, wenn niemand zusehe. Gerade bei einer Aufnahme, die sportliche Öffentlichkeit dauerhaft konserviert, war das ein wirkungsvoller Gegenakzent. Federers Ehrung würdigte einen außergewöhnlichen Spieler. Seine Rede machte daraus zugleich eine Anerkennung jener Person, die den Champion, den Vater und den Menschen über die gesamte Strecke kannte.
Die Aufnahme in Newport dokumentiert damit nicht nur Federers sportlichen Rang, sondern auch eine gemeinsame Lebensleistung, die sich über Turniere, Verletzungen, Abschiede und Familienjahre hinweg erstreckt.
