Im Tennis wurden schon immer Vergleiche zwischen der neuen und der alten Ära gezogen.
Ältere Tennisfans vertreten meist die Ansicht, dass die Spieler früherer Generationen deutlich besser und technisch versierter waren. Jüngere Anhänger argumentieren dagegen, dass das Tennis heute schneller und explosiver geworden ist. Eine eindeutige Antwort darauf zu geben, wer recht hat, ist äußerst schwierig. Faszinierend ist es aber allemal, die Tennisstars verschiedener Generationen miteinander zu vergleichen.
Ein besonders interessanter Vergleich ist jener zwischen Roger Federer und Carlos Alcaraz. Der Spanier gehört gemeinsam mit Jannik Sinner zur führenden Generation der Gegenwart, während Federer viele Jahre zuvor das Geschehen auf der Tour dominiert hatte.
Roger Federer räumte nun ein, dass Carlos Alcaraz bereits im Teenageralter ein besserer Spieler gewesen sei als er selbst. Die Schweizer Tennislegende blickte dabei auf die schwierigen Phasen seiner Karriere zurück, die ihm dabei halfen, zu einem der besten Spieler der Tennisgeschichte zu werden.
Federer wurde kürzlich in die International Tennis Hall of Fame aufgenommen. Er beendete seine Karriere mit 20 Grand-Slam-Titeln, 103 ATP-Trophäen und 310 Wochen an der Spitze der Weltrangliste.
Der 45-Jährige sprach im Umfeld seiner Aufnahme mit dem Tennis Channel. Dabei wurde er gefragt, welchen Einfluss Niederlagen und Enttäuschungen auf seine Laufbahn hatten. Federer betonte, dass er die Konkurrenz bei seinem Einstieg auf der ATP-Tour keineswegs sofort dominiert habe.
Als Beispiele nannte er Rafael Nadal und Lleyton Hewitt, die in jungen Jahren bereits weiter entwickelt gewesen seien. Anschließend sprach er auch über die aktuelle Generation und Alcaraz.
“Well I mean early on I was taking losses a lot, in the juniors, coming through the tour as well, I was not, I would say quite as good as Rafa was, or Lleyton was, as an example, or I’d say even now Alcaraz, as an example, who were incredible teenagers,” Federer sagte.
“So I mean, I was good, very good you can say, but not that great. So I was used to losing some more than these guys were.”
Alcaraz feierte zweifellos schon sehr früh große Erfolge. Nach seinem Triumph bei den US Open 2022 wurde der Spanier im Alter von 19 Jahren zum jüngsten Weltranglistenersten der ATP-Geschichte. Anfang dieses Jahres gewann er zudem die Australian Open und komplettierte bereits mit 22 Jahren den Karriere-Grand-Slam.
Mit 23 Jahren kommt Alcaraz nun auf sieben Grand-Slam-Titel. Federer musste dagegen bis zu seinem Triumph in Wimbledon 2003 warten, als er 21 Jahre alt war.
Federer: Niederlagen haben mich verändert
Federer entwickelte sich schließlich zum dominierenden Spieler auf der ATP-Tour. Doch mit Rafael Nadal bekam er einen Rivalen, der ihn vor eine neue Herausforderung stellte.
Der Schweizer gab zu, dass ihn der Verlust der Weltranglistenführung und die Konfrontation mit einem völlig anderen Spielertyp dazu gezwungen hätten, sein eigenes Spiel anzupassen.
“But then into the domination phase came also a time then when I had to reinvent myself, when I lost the world number one ranking,” Federer sagte.
“Because once you get used to a certain way of playing, it’s maybe harder to adjust as well. And I felt like I had to do that because, especially with Rafa’s game, it wasn’t just another right-handed, single-handed player who was beating me.
“It was a lefty with a lot of topspin, dominating the clay, who was getting to me as well on the grass and on the hard. I feel like I learned a lot through those moments, and I do believe it made me a better player.”
Nadal war in dieser Phase allerdings nicht der einzige Spieler, der Federer an seine Grenzen brachte. Später wurden auch Novak Djokovic und Andy Murray bei den größten Turnieren zu regelmäßigen Gegnern. Es entstand eine Ära, an die sich viele Tennisfans bis heute mit großer Nostalgie erinnern.
Federer ist froh, gegen alle drei gespielt zu haben.
“That’s why I’m so respectful to the fact that I’m actually happy that Murray, Djokovic and Nadal all played at the same time as me at some point, and that we could face off the way we did.
I mean, it was truly a golden time in tennis, I believe.”
Federer nennt die beste Phase seiner Karriere
Federer wurde außerdem gefragt, wann er seiner Meinung nach sein bestes Tennis gespielt habe.
Als Erstes nannte der ehemalige Weltranglistenerste die Jahre von 2004 bis 2007. In dieser Zeit dominierte er die Tour und verlor nur sehr wenige Partien.
“Good question. I mean look, the years of ‘4/’5/’6/’7 were incredible,” Federer sagte.
“I lost so few matches, and when I did, it was very often against Rafa on clay. So somehow you have to rank that as maybe my best period.”
Gleichzeitig hob Federer auch seine Saison 2017 hervor. Nachdem er aufgrund eines Knieproblems die zweite Hälfte des Jahres 2016 verpasst hatte, kehrte der erfahrene Schweizer zurück und gewann die Australian Open sowie Wimbledon.
“But maybe the single best time when I played tennis maybe is in ’17 when I finally had time at the end of ’16 to truly put in some good work of two-and-a-half months together with Severin [Luthi] and Ivan [Ljubicic],” er sagte.
Unabhängig davon, wen man für den besseren Tennisspieler hält: Beide haben den Sport nachhaltig geprägt. Klar ist jedoch, dass Carlos Alcaraz noch viele Jahre dominieren muss, wenn er die Höhen von Roger Federer erreichen will. Viele hoffen, dass der Spanier eines Tages die Rekorde seines Vorgängers bricht und dessen Erfolge sogar übertrifft.
