Jannik Sinner: Zwischen Kritik und Triumph – Italiens neuer Tennis-Held



by FARUK IMAMOVIC

Jannik Sinner: Zwischen Kritik und Triumph – Italiens neuer Tennis-Held
© Getty Images Sport/Clive Brunskill

Mitte September befand sich der italienische Tennisstar Jannik Sinner im Auge eines medialen Sturms. Seine Entscheidung, sich aus dem italienischen Davis-Cup-Team für das Gruppenfinale im September zurückzuziehen, wurde in seiner Heimat heftig kritisiert.

Angesichts der zahlreichen Spiele, die er vor dieser Nationalmannschaftswoche absolviert hatte, war der Rückzug zwar nachvollziehbar, dennoch löste er eine Welle der Entrüstung in Italien aus. Nach seinem Sieg beim Toronto Masters im August und einem sichtlich erschöpften Auftritt in den letzten Phasen seines US-Open-Achtelfinalspiels gegen Alexander Zverev, das er in einem epischen Fünf-Satz-Match verlor, stand Sinner im Fokus.

2023 markierte sein Durchbruchsjahr auf der ATP-Tour. Seit seinem Einzug ins Finale der Miami Open 2021 wurde viel über sein Potenzial gesprochen, doch in diesem Jahr zeigte sich, dass er bereit ist, große Titel zu gewinnen.

Als Tennis-begeisterte Nation, die sich über neue Helden freut, zeigte sich die italienische Presse unerbittlich in ihrer Kritik an Sinners Entscheidung, sich vom Davis-Cup zurückzuziehen. Adriano Panatta, Tennislegende und Teil des siegreichen Davis-Cup-Teams von 1976, äußerte sich scharf zu Sinners Nationalgefühl: "Heute sind Tennisspieler Unternehmen und denken, wie solche, nur an den Gewinn."

Von der Kritik zum Erfolg

Die Kritik war hart.

Die Gazzetta dello Sport urteilte: „Dies ist eine völlig persönliche Entscheidung, die sicherlich nicht von den meisten seiner Fans geteilt wird.“ Doch die Frage blieb, wie das italienische Publikum reagieren würde, als Sinner nach seiner Pause beeindruckende Leistungen in Asien zeigte und sich für die ATP-Finals in Turin qualifizierte.

Die Antwort: Sie schufen eine der großartigsten Stimmungen, die jemals bei einem italienischen Tennisevent erlebt wurden, und jubelten ihrem Mann zu, als er Novak Djokovic in der Gruppenphase besiegte und ins Finale einzog.

Trotz der anstrengenden Erfahrungen in Turin machte sich Sinner für das italienische Davis-Cup-Finalteam in Malaga verfügbar. Sein Sieg gegen Djokovic im Halbfinale war einer der bemerkenswertesten des Tennisjahres.

Er gewann schließlich den entscheidenden Punkt für Italien im Finale gegen Australien und wird nun für immer als Held gefeiert, der Italien nach 47 Jahren seinen ersten Davis-Cup-Sieg bescherte. "Ich denke, Druck ist ein Privileg", erklärte Sinner, als er beschrieb, wie er seine Emotionen in der Hitze des Davis-Cup-Kampfes kontrollierte.

"Es gibt nicht viele Spieler, die dieses Privileg haben." Sinner ist nun ein ewiger Held für die italienische Tennisszene, und diejenigen, die noch vor zwei Monaten seine Loyalität zum Land in Frage stellten, korrigieren ihre Ansichten nun in raschem Tempo.

Jannik Sinner