Ben Sheltons Saison 2026 war bislang von großen Erfolgen, aber auch von schwierigen Momenten bei den Turnieren geprägt, bei denen er sich besonders viel ausgerechnet hatte.
Vor seiner Ankunft in Montreal hatte der 23-Jährige bereits drei Titel gewonnen – auf Hartplatz, Sand und Rasen. Dennoch bezeichnete der US-Amerikaner seine Saison nach seinem Erstrunden-Aus in Wimbledon als „complete roller coaster“. Auch bei den French Open war er in der zweiten Runde ausgeschieden, zudem hatte er bei seinen ersten vier Masters-1000-Turnieren des Jahres insgesamt nur ein Match gewonnen.
Damit war die Titelverteidigung bei den Canadian Open für Shelton besonders wichtig. In Montreal fand er zu seinem besten Tennis zurück und marschierte ohne Satzverlust durch das gesamte Turnier. Auf dem Weg ins Finale besiegte er Jenson Brooksby, Zizou Bergs, Joao Fonseca, Jakub Mensik und Learner Tien, ehe er Brandon Nakashima im Endspiel mit 6:3, 7:6(4) bezwang.
Der Weltranglisten-Sechste war damit der erste Canadian-Open-Champion seit Novak Djokovic 2016, der das Turnier ohne Satzverlust gewann. Zugleich verteidigte Shelton erfolgreich seinen 2025 errungenen Titel. Damit reihte er sich neben Andre Agassi, Andy Murray, Djokovic und Rafael Nadal in die Liste der Spieler ein, die seit Einführung der Masters-1000-Serie zwei Canadian-Open-Titel in Folge gewonnen haben.
Für den ehemaligen Weltranglistenersten Jim Courier war jedoch ein anderer Aspekt von Sheltons Auftritt sogar beeindruckender als der Titelgewinn selbst.
Courier erkennt große Veränderung in Sheltons Spiel
Courier ist überzeugt, dass Shelton in Montreal das beste Tennis seiner bisherigen Karriere gezeigt hat.
„I think without doubt it was the best tennis of his career,“ Courier sagte im Podcast „Drop Shot“.
„Those last three matches that he played, the unforced errors compared to the winners were wild.
He was just munching players.
It was kind of awesome to see him put it all together.
We know he works hard, and we have always known he is a great competitor.“
In seinen letzten drei Matches schlug Shelton 62 Winner bei 38 unerzwungenen Fehlern. Gegen Mensik produzierte der Linkshänder im Viertelfinale 18 Winner und beging beim 6:3, 6:1 lediglich drei unerzwungene Fehler.
Besonders gefiel Courier, wie der US-Amerikaner seine Punkte aufbaute, anstatt sie lediglich so schnell wie möglich beenden zu wollen.
„You never have to doubt that he is going to lay it all on the line out there, but the fact he was able to bring it all together and really punctuate it with that forehand down the line on match point, that was the perfect exclamation point for what he’s been doing,“ sagte er.
„We know the serve is amazing, but to be able to work a point and get the right shot and sting it, when he was maybe a bit too trigger-happy a few times earlier in his career, but you really could see the maturity coming in.“
Courier hob außerdem hervor, welche Bedeutung Sheltons Aufstieg auf Platz sechs der Weltrangliste für den weiteren Saisonverlauf haben könnte.
„I think him being sixth in the rankings right now positions him well to be protected early in the draws and get deeper in there and challenge himself against the best of the best,“ sagte der vierfache Grand-Slam-Champion.
Da Jannik Sinner und Carlos Alcaraz in Cincinnati fehlen, sieht Courier für Spieler wie Shelton die Chance, diese Situation zu nutzen.
„He has got to continue to take advantage of those and build his belief in himself while at the same time building an aura about him that others will fear,“ ergänzte Courier.
Shelton glaubt: Ein Ergebnis kann alles verändern
Shelton räumte nach seinem Triumph in Montreal selbst ein, dass seine Leistungen bei den größten Turnieren vor seinem Erfolg in Kanada enttäuschend gewesen seien.
„It hasn't been the best stretch for me at the big tournaments,“ sagte Ben. „I've definitely had some big highlights this year with the titles won. And once I've got going in a tournament, it's tough to slow me down.“
Der 23-Jährige erklärte, bei den wichtigsten Veranstaltungen nicht so gut gespielt zu haben, wie er es sich vorgenommen hatte. Zugleich betonte er, dass der Tennissport zahlreiche Möglichkeiten biete, die Richtung einer Saison zu verändern.
„For me, I know that just one match can kind of change everything,“ sagte Shelton. „So I think that's how I look at things, and it really does help me stay in the moment and be ready for when my opportunity does come up that I'm in the right mental space.“
Der US-Amerikaner war zudem nicht nur mit dem Sieg im Finale zufrieden. Für ihn zeigte die Art und Weise seines Spiels, wie stark sich sein Tennis weiterentwickelt hat.
„I thought tonight it was such a good display from me, the way that I moved on the court, the way I struck the ball, my serve and return,“ erklärte Shelton. „I thought I was versatile. I played all-court tennis.“
Seine nächste Herausforderung wartet beim Cincinnati Open. Dort erreichte Shelton in den vergangenen beiden Spielzeiten jeweils das Viertelfinale. Anschließend steht mit den US Open ein Turnier an, bei dem der US-Amerikaner in seiner Karriere bereits das Halbfinale erreicht hat.
