Stan Wawrinka darf seine Grand-Slam-Karriere bei den US Open beenden. Der 41-jährige Schweizer rückte mit einer Wildcard ins Hauptfeld, nachdem Patrick Kypson zurückgezogen hatte. Zum Auftakt trifft Stan auf Matteo Berrettini. Das Duell verbindet zwei der druckvollsten einhändigen beziehungsweise offensiven Spielstile ihrer Generationen und bietet sofort eine große Bühne.
Berrettini gewann ihr jüngstes Treffen in der ersten Wimbledon-Runde über vier Sätze. Anschließend nannte er Stan eine Legende und sagte: „Das hat er heute unter Beweis gestellt.“ Der Italiener besitzt mit Aufschlag und Vorhand klare Vorteile auf schnellen Plätzen, ist aber selbst immer wieder von Verletzungen und schwankender Matchpraxis gebremst worden.
Ein schwerer Auftakt passt zu Wawrinkas Karriere
Stan erhielt selten leichte Wege zu seinen größten Erfolgen. Seine drei Grand-Slam-Titel gewann er 2014 in Melbourne, 2015 in Paris und 2016 in New York, jeweils gegen die stärksten Spieler der Ära. Beim US-Open-Triumph vor zehn Jahren bezwang er Djokovic im Finale und zeigte jene Mischung aus Widerstandskraft und kompromisslosem Angriff, die seine Karriere definierte.
Gegen Berrettini muss der Schweizer kurze Ballwechsel vermeiden, ohne passiv zu werden. Ein stabiler Return würde ihm erlauben, seine Rückhand häufiger einzusetzen und den Italiener seitlich zu bewegen. Entscheidend ist zugleich, wie Wawrinkas Körper auf längere Sätze reagiert. Mit 41 wird Belastungssteuerung ebenso wichtig wie Taktik.
Djokovic könnte in Runde zwei warten
Der Sieger trifft voraussichtlich auf Novak Djokovic, sofern der Serbe Mariano Navone bezwingt. Für Wawrinka wäre das eine außergewöhnliche Fortsetzung. Er gewann zwei seiner drei Major-Titel nach direkten Siegen gegen Djokovic und zählt zu den wenigen Spielern, die dessen Dominanz in bedeutenden Matches wiederholt durchbrechen konnten.
Nostalgie allein garantiert jedoch keinen Klassiker. Berrettini ist kein Durchgangsgegner, und Wawrinka benötigt bereits in Runde eins nahezu sein bestes Niveau. Die Wildcard schenkt ihm keine einfache Abschiedszeremonie, sondern eine sportliche Prüfung, die seinem Selbstverständnis eher entspricht.
