Osaka ehrt Allen Iverson und gewinnt zwei Tiebreaks in New York

by Faruk Imamovic
SHARE
Osaka ehrt Allen Iverson und gewinnt zwei Tiebreaks in New York
© PopBase/X/Fair Use

Naomi Osaka hat bei den US Open erneut Mode und sportlichen Ausdruck miteinander verbunden. Die Turniersiegerin von 2019 und 2021 betrat das Arthur Ashe Stadium in einem weiß-grauen Kleid mit besonderem Muster und Kapuze. Darunter trug sie ein schwarzes Dress, Cornrows und ein Stirnband als Hommage an den früheren NBA-Star Allen Iverson.

ADVERTISEMENT

Anschließend gewann Osaka gegen Anastasia Zakharova mit 7:6 (8:6) und 7:6 (7:3). Das Ergebnis in zwei Sätzen wirkt klarer als der Verlauf: Beide Durchgänge wurden erst im Tiebreak entschieden, sodass die Japanerin unmittelbar einen Test unter Druck bestehen musste.

Iverson steht für persönlichen Ausdruck im Sport

Osaka erklärte ihre Wahl nicht als bloßen visuellen Effekt. “Für mich ist er ein Wegbereiter”, sagte die 28-Jährige über Iverson. Sie würdigte besonders, wie der frühere NBA-MVP die Kleidung von Basketballspielern und die breitere Debatte über Individualität im Sport verändert habe.

Der Bezug passt zu Osakas eigener Entwicklung. Die aktuelle Nummer 13 der Welt nutzt ihre Einlaufkleidung regelmäßig, um eine Geschichte zu erzählen, statt ausschließlich einem standardisierten Turnierbild zu folgen. Bereits bei den Australian Open und den French Open hatten ihre Entwürfe große Aufmerksamkeit erhalten.

Mode kann dabei mehr als Dekoration sein. Spitzensportlerinnen werden in stark reglementierten Abläufen häufig über Ergebnisse und vorgegebene Auftritte definiert. Ein persönlicher Stil schafft einen kontrollierbaren Raum, in dem Osaka Identität zeigt, bevor der Wettbewerb beginnt.

ADVERTISEMENT

Zwei Tiebreaks liefern den wichtigeren Prüfstein

Die Kleidung dominierte zunächst die Bilder, doch Osakas sportliche Arbeit war anspruchsvoll. Zakharova hielt beide Sätze offen und zwang die vierfache Grand-Slam-Siegerin, zweimal in den entscheidenden Punkten Lösungen zu finden. Osaka vermied einen dritten Satz und sparte damit Kraft für die nächste Aufgabe.

In Runde zwei wartet Katerina Siniakova. Gegen die Tschechin wird Osaka ihre Leistung stabilisieren müssen, denn zwei enge Tiebreaks lassen sowohl Nervenstärke als auch fehlenden Abstand zur Gegnerin erkennen. Der Auftakt bot also keinen vollständigen Beleg für Titelform, wohl aber eine belastbare Reaktion in zwei Drucksituationen.

Vor der Partie erhielt Roger Federer auf dem Platz seinen offiziellen Ring zur Aufnahme in die International Tennis Hall of Fame. So verband der Abend mehrere Generationen und unterschiedliche Formen sportlicher Wirkung: Federers Laufbahn wurde institutionell geehrt, Osaka erinnerte an Iversons kulturellen Einfluss und setzte ihre eigene Turniergeschichte fort.

ADVERTISEMENT

Ihr Auftritt funktionierte gerade deshalb, weil die sportliche Seite mithielt. Ein außergewöhnliches Outfit erzeugt Aufmerksamkeit für Minuten. Zwei gewonnene Tiebreaks sorgen dafür, dass Osaka die Bühne in der nächsten Runde erneut nutzen kann.

Osaka muss kulturellen Ausdruck nicht gegen sportliche Konzentration ausspielen. Gelingt beides, gibt das Ergebnis dem Auftritt Substanz.

Naomi Osaka
SHARE