Aryna Sabalenka ist seit jeher eine der interessantesten Persönlichkeiten im Tennissport – vor allem wegen ihrer offenen Art und der Ausstrahlung, die sie regelmäßig zeigt.
Die Belarussin ist gelegentlich das Ziel der Kritik prominenter Stimmen aus der Tenniswelt, erhält aber ebenso viel Anerkennung. Die 28-Jährige ist an diese Aufmerksamkeit inzwischen gewöhnt und scheint gegen unterschiedliche Kritiken und Bewertungen weitgehend immun zu sein.
Patrick Mouratoglou hat sich nun zu Sabalenkas angespanntem Wortwechsel mit einem Reporter bei den US Open geäußert. Dem französischen Coach fiel dabei ein Detail im Presseraum besonders auf.
Sabalenka hatte in diesem Jahr in New York bereits mehrere bemerkenswerte Begegnungen mit Journalisten. Ein Gespräch nach ihrem Zweitrundensieg gegen Polina Iatcenko sorgte jedoch für deutlich mehr Aufmerksamkeit.
Sabalenka hatte die russische Qualifikantin in nur 53 Minuten mit 6:1, 6:1 besiegt. Anschließend wurde die Titelverteidigerin gefragt, wie sich ihre Stimmung nach einer Woche verändert habe, die der Reporter als voller „parties and fun“ bezeichnete.
Diese Beschreibung missfiel der 28-Jährigen – und sie unterbrach die Frage sofort.
"You guys are, like, a joke. Parties, fun... like, why would you even say that? Why would you even think about that? What kind of question is that?" Sabalenka sagte.
Der Reporter versuchte daraufhin zu erklären, dass er über Veranstaltungen und Auftritte rund um das Turnier gesprochen habe und keineswegs andeuten wollte, Sabalenka habe ihre Zeit mit Feiern verbracht.
Die vierfache Grand-Slam-Siegerin betonte jedoch, dass die Frage bei ihr genau so angekommen sei.
"Just because I posted, like, some activities with brands, and you think that I've been partying, not training?" fügte sie hinzu.
Als der Reporter seine Frage weiter erläuterte, entgegnete Sabalenka: "You literally said that," Später forderte sie ihn zudem auf, "think before you say stuff."
Mouratoglou nimmt die Reporter ins Visier
Der Wortwechsel sorgte in den sozialen Medien schnell für große Aufmerksamkeit. Auch Mouratoglou beobachtete während des Turniers, was sich rund um Sabalenka abspielte, und fand die Atmosphäre bei ihren Pressekonferenzen bemerkenswert.
Der erfahrene Coach erklärte, die Reporter hätten bei schwierigen Fragen an die Weltranglistenerste nervös gewirkt. Besonders auffällig sei gewesen, dass einige von ihnen offenbar Angst hatten und während ihrer Gespräche mit der Belarussin sogar schwitzten.
Sabalenka war noch nie eine Spielerin, die ihre Gefühle bei Pressekonferenzen verborgen hat. Nach Siegen und Niederlagen äußert sie sich regelmäßig direkt. Das hat zwar mitunter für Kontroversen gesorgt, sie aber auch zu einer der meistbeachteten Spielerinnen der WTA-Tour gemacht.
Ähnliche Fragen hatte Sabalenka bereits nach ihrem Auftaktsieg gegen Camila Osorio beantworten müssen.
Die Belarussin wollte dabei eines klarstellen: Ihre Verpflichtungen für Sponsoren und ihre Auftritte vor dem Turnier hätten sie weder vom Training noch von der Vorbereitung auf ein großes Turnier abgehalten.
"I've been working really hard, but I feel like I'm kind of moving away from trying to be perfect on court," sagte Sabalenka nach ihrem Erfolg gegen Iatcenko.
"I know that you cannot be perfect, and I'm just trying to work with what I have right now."
Mouratoglou hatte sich bereits zuvor mit Sabalenkas Emotionen beschäftigt. Nach ihrer schwierigen Niederlage gegen Diana Shnaider bei den French Open in dieser Saison erklärte der Franzose, das Problem liege nicht in mangelnder mentaler Stärke, sondern in der Kontrolle ihrer Emotionen in bestimmten Momenten.
Auch ihre Ehrlichkeit bei der Pressekonferenz nach dieser Niederlage gefiel ihm. Sabalenka habe nicht versucht zu verbergen, wie schmerzhaft die Niederlage für sie gewesen sei. Laut Mouratoglou verfüge sie weiterhin über den Glauben an sich selbst, den nötigen Siegeswillen und den Kampfgeist für die Weltspitze. Wenn es ihr jedoch gelinge, in schwierigen Situationen die Panik zu kontrollieren, könne das für sie spielentscheidend sein.
Sabalenka bestreitet noch ein Match in New York
Seit jener Pressekonferenz ist viel passiert. Aryna setzte ihre Siegesserie fort und bezwang am Donnerstag Jessica Pegula mit 7:5, 6:2. Damit erreichte sie zum vierten Mal in Folge das Finale der US Open.
Gegen die US-Amerikanerin schlug die erfahrene Spielerin 29 Winner und sieben Asse. Bei eigenem Aufschlag hatte sie nur wenige Probleme, übernahm gegen Ende des ersten Satzes die Kontrolle und gewann den zweiten Durchgang deutlich souveräner.
Im Finale am Samstag trifft Sabalenka nun auf Elena Rybakina. Die Kasachin setzte sich im zweiten Halbfinale gegen Coco Gauff mit 3:6, 6:4, 6:4 durch und wird nach der Aktualisierung der Weltrangliste die neue Nummer eins.
Aryna ist sich der Bedeutung dieser Herausforderung bewusst. Gleichzeitig bietet sich ihr die große Chance auf einen weiteren Grand-Slam-Titel. Ein solcher Erfolg dürfte ihr auch für die kommenden Matches und Turniere zusätzliche Motivation geben.
Die 28-Jährige kämpft darum, die US Open zum dritten Mal in Folge zu gewinnen. Serena Williams war die letzte Spielerin, der dies gelang: Sie triumphierte 2012, 2013 und 2014.
In Flushing Meadows hat Sabalenka inzwischen 19 Matches in Serie gewonnen.
Ihr Fokus gilt nun vollständig Rybakina. Die beiden haben bereits mehrere große Duelle bestritten, darunter auch Grand-Slam-Finals. Dabei bereitete die Kasachin Sabalenka in der Vergangenheit immer wieder große Schwierigkeiten.
Elena Rybakina hat bei diesem Turnier gezeigt, dass sie eine absolute Topspielerin ist. Sie kann aggressiv, aber auch kontrolliert agieren und verfügt über zahlreiche Waffen in ihrem Spiel.
Es besteht kaum Zweifel, dass Sabalenka bereits einen Matchplan für das Duell mit ihrer großen Rivalin vorbereitet hat. Für Tennisfans könnte dieses Finale jede Menge Spannung und Adrenalin bereithalten.
