Frances Tiafoe richtet seinen Blick nach der dritten Halbfinalniederlage bei den US Open auf die ATP Finals in Turin. Der 28-Jährige verlor gegen Ben Shelton mit 6:4, 3:6, 3:6 und 5:7, verlässt New York aber als Nummer acht der Welt und Sechster im Saisonrennen. Er besitzt damit eine gute Chance, erstmals das Turnier der acht besten Spieler des Jahres zu erreichen.
Eine weitere verpasste Chance schmerzt
Tiafoe stand nach 2022 und 2024 zum dritten Mal im Halbfinale seines Heim-Majors. Gegen Shelton erwischte er den besseren Start, verlor danach jedoch zunehmend die Kontrolle über die eigenen Aufschlagspiele. Shelton servierte im entscheidenden Abschnitt stabiler und nahm Tiafoe beim Stand von 6:5 im vierten Satz den Aufschlag zum Matchgewinn ab.
Die Enttäuschung ist groß, weil erneut nur ein Sieg zum ersten Grand-Slam-Finale fehlte. Tiafoe ordnete den Rückschlag dennoch in eine starke Saison ein. „Letztlich will ich es schaffen, Mann“, sagte er. „Ich möchte eines Tages Grand-Slam-Champion sein und einfach zurück ans Reißbrett und weiterarbeiten.“
Die Regelmäßigkeit ist der eigentliche Fortschritt
Tiafoe gehört 2026 neben Alexander Zverev und Jannik Sinner zu den wenigen Männern mit mindestens 40 Siegen auf der Tour. In Halle gewann er seinen bislang größten Titel auf ATP-500-Ebene. In Cincinnati erreichte er anschließend sein zweites Masters-1000-Finale. Der Lauf in New York bestätigt, dass seine Form nicht mehr nur in kurzen, emotionalen Schüben erscheint.
Genau diese Beständigkeit trägt ihn im Race auf Platz sechs. Turin wäre deshalb mehr als ein Bonus. Die Qualifikation würde belegen, dass Tiafoe vom Saisonbeginn bis in den Herbst auf höchstem Niveau genügend Punkte gesammelt hat.
Arbeit ersetzt das Selbstmitleid
Tiafoe gestand sich einige Tage Frust zu, formulierte danach aber einen klaren Auftrag. „Ich werde fortsetzen, was ich das ganze Jahr getan habe, einfach weiterarbeiten. Ich habe mich einfach in die Arbeit verliebt“, sagte er. Danach wolle er wieder beginnen und „meinen Arsch nach Turin bringen. Ich will dort sein.“
Der direkte Ton passt zu seiner Lage. Tiafoe braucht keinen kompletten Neuaufbau, sondern weitere Punkte und einen stabileren ersten Aufschlag. Seine Saison hat bereits gezeigt, dass er große Wochen wiederholen kann. Entscheidend ist nun die Leistung zwischen den Höhepunkten. Der Herbst zeigt, ob aus diesem Fortschritt die erste Teilnahme am Jahresfinale wird und ob die New Yorker Niederlage als Ende einer Chance oder Beginn des nächsten Anlaufs wirkt.
