Andy Roddick ist überzeugt, dass die US Open inzwischen ein Niveau erreicht haben, auf dem sie als größtes Sportereignis der USA bezeichnet werden können – noch vor dem Super Bowl.
Der frühere Weltranglistenerste war während des diesjährigen Turniers häufig in Flushing Meadows und verfolgte das Geschehen auf und neben dem Platz. Nach dem Ende des Grand-Slam-Turniers sprach der US-Amerikaner über die enorme Aufmerksamkeit, die das Event erhielt, und über die vielen Besucher auf der Anlage.
Alexander Zverev gewann den Herrentitel mit einem Viersatzsieg gegen Ben Shelton, während sich Elena Rybakina im Damenfinale gegen Aryna Sabalenka durchsetzte. Roddick interessierte sich jedoch auch für alles, was sich rund um die Partien während der drei Turnierwochen in New York abspielte.
In seinem Podcast „Served“ zog der US-Open-Sieger von 2003 einen Vergleich mit dem Super Bowl.
„Ich werde es sagen, und dafür werden wir ordentlich Prügel beziehen“, sagte Roddick. „Das ist das größte Sportereignis in den Vereinigten Staaten.“
Der 44-Jährige sprach anschließend den Super Bowl an. Sein Argument bezog sich jedoch vor allem darauf, wie lange die US Open die Menschen in ihren Bann ziehen. Das NFL-Endspiel findet an einem Abend statt, während das Grand-Slam-Turnier in New York eine Qualifikationswoche, eine Trainingswoche und zwei Wochen mit Partien im Hauptfeld umfasst.
Roddick über die Größe der US Open
Roddick erklärte, dass bereits während der Trainingswoche Zuschauerzahlen erreicht würden, die man eher bei einem großen Finale erwarten würde. Seinen Angaben zufolge könnten sich schon vor dem eigentlichen Beginn des Hauptturniers rund 80.000 Menschen auf der Anlage aufhalten.
Der frühere US-Open-Sieger war während des Turniers in verschiedenen Funktionen vor Ort und konnte das große Interesse aus nächster Nähe erleben. Später bezeichnete er die Veranstaltung als bestes Sportereignis der Welt. Ihm falle kein anderes Event ein, das über drei Wochen hinweg eine vergleichbare Nachfrage erzeuge.
Wer die beiden Veranstaltungen ausschließlich anhand der Zuschauerzahlen vergleicht, kommt allerdings zu einem anderen Ergebnis.
Der Super Bowl 2026 zwischen den Seattle Seahawks und den New England Patriots erreichte in den USA durchschnittlich 125,6 Millionen Zuschauer. Seattle gewann die Partie im Februar mit 29:13. Nielsen bestätigte später, dass es sich um den zweitmeistgesehenen Super Bowl der Geschichte handelte.
Das Herrenfinale der US Open lag bei dieser Messgröße deutlich darunter, verzeichnete aber ebenfalls starke Werte. Der Sieg Zverevs gegen Shelton kam bei ABC auf durchschnittlich 3,2 Millionen Zuschauer – das größte Publikum für ein Herrenfinale, seit die Sender von ESPN das Turnier im Jahr 2009 zu übertragen begannen.
Sheltons Halbfinalsieg gegen Frances Tiafoe verfolgten im Schnitt 3,1 Millionen Zuschauer. Auch das späte Viertelfinale des US-Amerikaners gegen Carlos Alcaraz stieß auf großes Interesse, obwohl es erst nach 3.30 Uhr morgens endete.
Roddick bezog sich somit eher auf das gesamte Event, die Zuschauer vor Ort und das Interesse in New York als auf einen direkten Vergleich der TV-Quoten.
Die US Open haben für Roddick immer eine besondere Bedeutung
Roddicks Einschätzung des Turniers hat auch eine persönliche Komponente.
Der US-Amerikaner gewann seinen einzigen Grand-Slam-Titel 2003 bei den US Open. Im Finale setzte er sich gegen Juan Carlos Ferrero mit 6:3, 7:6(2), 6:3 durch und beendete die Saison als Nummer eins der Weltrangliste.
Drei Jahre später erreichte Roddick erneut das Finale, unterlag dort jedoch Roger Federer. Bis heute ist er der letzte US-Amerikaner, der einen Grand-Slam-Titel im Einzel gewinnen konnte. Sheltons Niederlage gegen Zverev verlängerte diese Durststrecke nun erneut.
Der ehemalige Profi hat wiederholt betont, wie sehr er die Atmosphäre im Arthur Ashe Stadium schätzt. Während seiner aktiven Karriere sagte er, dass er sich mit dem Lärm und der besonderen New Yorker Umgebung sehr wohlfühle.
„Ich mag es. Und wenn die Menschen heute Abend auf den Rängen tanzen, liebe ich das“, sagte Roddick bei den US Open 2008.
Seit Roddicks aktiver Zeit hat sich das Turnier stark verändert. Trainingseinheiten ziehen inzwischen große Zuschauermengen an, soziale Medien sorgen bereits vor Beginn der Partien für zusätzliche Aufmerksamkeit, und rund um das Arthur Ashe Stadium sind regelmäßig prominente Gäste zu sehen.
Auch das diesjährige Turnier bot mehrere Partien, die die Fans bis tief in die Nacht wach hielten. Shelton bezwang Alcaraz in einem Viertelfinale über fünf Sätze, das erst um 3.33 Uhr morgens endete. Anschließend besiegte er Tiafoe und erreichte erstmals in seiner Karriere ein Grand-Slam-Finale.
Roddick war während dieser Wochen rund um das Turnier tätig und erklärte später, er habe ein Interesse erlebt, das sich nur schwer mit den Fernsehquoten erklären lasse.
Als Nächstes wird der ehemalige Weltranglistenerste beim Laver Cup in London erwartet. Auch sein Podcast soll weiterhin die wichtigsten Geschichten aus dem Herren- und Damentennis aufgreifen.
Nahezu jede Aussage Roddicks löst in den sozialen Medien Reaktionen aus. Viele Menschen unterstützen ihn, zahlreiche andere widersprechen jedoch seinen Ansichten.
Fest steht: Andy Roddick findet immer wieder interessante Worte – und zieht damit große Aufmerksamkeit auf sich.
