Die Aufschlaguhr sollte Tennis beschleunigen und Diskussionen über Verzögerungen reduzieren. Fünf Jahre nach ihrer Einführung zeigt sich jedoch eine Lücke: Für den zweiten Aufschlag gibt es keine eigene Begrenzung. Nach einem Fehler bleiben die zwölf Sekunden auf der Anzeige stehen, ohne weiterzulaufen.
Dadurch kann ein Spieler seine gesamte Routine erneut beginnen. Alexander Zverev fällt etwa durch langes Ballprellen vor dem Aufschlag auf. Solange die Uhr beim zweiten Versuch nicht zählt, fehlt dem Stuhlschiedsrichter eine klare Grundlage zum Eingreifen.
Rennae Stubbs kritisierte die Entwicklung mit einem drastischen Vergleich. „Hast du Ben Shelton gesehen? Er stand da, als würde er darauf warten, dass seine Freundin einen Kaffee holt. Was machen wir hier? Beim letzten Mal waren es 25-mal Ballprellen, diesmal zwölfmal? Ich glaube, wir müssen sie bloßstellen. Fangt beim zehnten Prellen einfach an zu buhen.“
Andrea Petkovic bezeichnete die langen Pausen beim zweiten Aufschlag ebenfalls als unerträglich. Ihre Kritik richtet sich weniger gegen einzelne Spieler als gegen ein System, das Verzögerung erlaubt und damit sogar strategisch attraktiv macht.
Präzision ist wichtiger als technische Show
US-Open-Direktor Craig Tiley erklärte, dass Männerpartien im Durchschnitt 25 Minuten länger geworden seien. Er führte das unter anderem auf die Aufschlaguhr und die Handtuchregel zurück. Das klingt paradox, zeigt aber, dass eine sichtbare Zeitmessung nicht automatisch ein schnelleres Spiel erzeugt.
Tennis kann aus den Problemen des Videoassistenten im Fußball lernen. Technik verbessert einen Sport nur, wenn die Regel eindeutig ist und das Eingreifen für Zuschauer nachvollziehbar bleibt. Eine Uhr, die in einer entscheidenden Phase stoppt, erzeugt den Eindruck von Kontrolle, ohne das Verhalten vollständig zu steuern.
Eine separate Frist für den zweiten Aufschlag wäre die naheliegende Lösung. Sie müsste genug Zeit für Konzentration lassen, dürfte aber keine vollständige Wiederholung der ersten Routine ermöglichen. Entscheidend wäre eine einheitliche Anwendung ohne informelle Ausnahmen für bekannte Namen.
Auch für die Fernsehzuschauer wäre das leichter zu verstehen. Eine laufende Anzeige zeigt sofort, ob eine Verzögerung zulässig ist. Derzeit bleibt dagegen unklar, warum dieselbe sichtbare Uhr beim ersten Aufschlag Bedeutung besitzt und danach praktisch ihre Funktion verliert.
Das Publikum sollte nicht zum Ersatzschiedsrichter werden müssen. Buhrufe mögen Druck erzeugen, doch sie schaffen keine gerechte Regel. Die Touren haben bereits die technische Infrastruktur. Nun fehlt eine präzise Vorgabe, die aus der Aufschlaguhr ein vollständiges Instrument statt einer halben Lösung macht.
