Der Davis Cup hat am vergangenen Wochenende gezeigt, warum Heim- und Auswärtsbegegnungen für den Mannschaftswettbewerb mehr als eine nostalgische Kulisse sind. Rund 6.000 Zuschauer begleiteten Deutschland in Halle gegen Kroatien, die fast ausverkaufte Wiener Arena fasste etwa 4.000 Fans beim österreichischen Duell mit Belgien. Auch in Südamerika prägten leidenschaftliche Ränge die Begegnungen.
Alexander Zverev wurde in Halle für seinen US-Open-Titel geehrt und gewann anschließend beide Einzel in zwei Sätzen. Damit trug der Weltranglistenzweite entscheidend zur deutschen Qualifikation für das Finalturnier in Bologna bei. Teamchef Michael Kohlmann hatte schon vor der Begegnung betont, Zverevs Einsatz unmittelbar nach New York dürfe „nicht als selbstverständlich“ betrachtet werden.
Wenn Unterstützung in Leistung umschlägt
In Wien war die Wirkung der Tribüne besonders greifbar. Neil Oberleitner und Lucas Miedler holten den Punkt im Doppel, bevor Jurij Rodionov gegen Zizou Bergs die Entscheidung herbeiführte. Oberleitner nannte die Zuschauer als wesentlichen Faktor: „Ein großer Grund dafür sind die Fans.“ Rodionov erklärte ebenfalls, er habe „all den Support der Fans“ gebraucht.
Solche Aussagen beschreiben eine Besonderheit des Wettbewerbs. Auf der regulären Tour treten die Profis überwiegend als Einzelkämpfer an, und selbst heimische Spieler erleben nicht bei jedem Turnier eine geschlossene Unterstützung. Im Davis Cup werden aus einzelnen Zuschauern Anhänger einer Mannschaft. Diese Zugehörigkeit kann Energie freisetzen, weil jeder Punkt als Beitrag zu einem nationalen Ergebnis wahrgenommen wird.
Die Kulisse garantiert dennoch keinen Heimsieg. Spanien setzte sich in Santiago gegen Chile durch und ließ sich von der bekannten südamerikanischen Atmosphäre nicht stoppen. Der Wert eines Heimspiels liegt deshalb nicht in einem automatischen sportlichen Vorteil, sondern in der emotionalen Intensität, die beide Teams bewältigen müssen.
Die offene Aufgabe für Bologna
Die zusätzliche Runde mit Heim- und Auswärtsduellen in der höchsten Weltgruppe hat dem Davis Cup sichtbar Nähe zurückgegeben. Deutschland und Österreich profitierten nicht nur sportlich; sie konnten ihre Mannschaften einem Publikum präsentieren, das sich mit dem Ergebnis unmittelbar identifizierte.
Beim zentralen Finalturnier in Bologna wird diese Bindung schwerer herzustellen sein. Acht Nationen treffen an einem Ort aufeinander, wodurch neutrale Abschnitte auf den Rängen wahrscheinlicher werden. Die Aufgabe der Organisatoren besteht nun darin, die Effizienz eines kompakten Finals mit jener Atmosphäre zu verbinden, die Halle und Wien erzeugten. Das Wochenende lieferte dafür keine fertige Lösung, aber einen klaren Maßstab.
