Rick Macci sieht einen klaren Grund dafür, dass sich jüngere Spieler auf der ATP-Tour schneller entwickeln. Nach Ansicht des US-Trainers profitieren sie bereits früh in ihrer Karriere von moderner Ausrüstung und druckvolleren Waffen.
In der Saison 2026 sind mehrere Nachwuchsspieler in der Weltrangliste rasant nach oben geklettert. Rafael Jodar, Jakub Mensik und Arthur Fils stehen allesamt in den Top 15. Zudem gehören mehrere weitere Spieler im Alter von 22 Jahren oder jünger bei großen Turnieren bereits regelmäßig zum Teilnehmerfeld.
Macci, der in jungen Jahren mit Serena und Venus Williams gearbeitet hat, entwickelt seit vielen Jahren Tennisspieler. Der 71-Jährige äußert sich in den sozialen Medien häufig zum aktuellen Tennisgeschehen. Dieses Mal nahm er die jüngere Generation auf der Herrentour in den Blick.
„Der Hauptgrund dafür, dass sich junge Talente auf der ATP-Tour schneller entwickeln als die Generation zuvor, sind die Waffen, die sie sich aus dem Spiel von der Grundlinie und beim Aufschlag aneignen“, schrieb Macci auf X.
„Durch die Technologie bei Schlägern und Saiten bekommen sie deutlich mehr geschenkt. Power steht über allem.
Kommt dann noch ein besserer Athlet mit guter Beweglichkeit und einer positiven Einstellung hinzu, wächst das Selbstvertrauen schneller.
Dadurch können sie ihren Willen und ihr gesamtes Spiel früher durchsetzen und gewinnen häufiger Punkte, Spiele, Sätze und Matches.
Selbstvertrauen schafft weiteres Selbstvertrauen – und wir sehen gerade jetzt die neuen Gesichter der Tour.“
Jodar ist in dieser Saison eines der herausragenden Beispiele
Jodar ist wahrscheinlich eines der deutlichsten Beispiele für das, wovon Macci spricht. Der Spanier startete 2026 auf Platz 168 der Weltrangliste und schaffte nach einem rasanten Aufstieg im Sommer den Sprung in die Top 20.
In Marrakesch gewann er im April seinen ersten ATP-Titel. Im Finale bezwang er Marco Trungelliti mit 6:3, 6:2. Vor jenem Turnier hatte Jodar noch kein einziges Match auf ATP-Ebene auf Sand bestritten.
Damit gab sich der junge Spanier jedoch nicht zufrieden. In Barcelona erreichte er das Halbfinale, anschließend stand er in Madrid und Rom jeweils im Viertelfinale. Bei den French Open in Roland Garros zog Jodar zudem erstmals bei einem Grand-Slam-Turnier ins Viertelfinale ein.
Auch sein Sommer verlief erfolgreich. Jodar erreichte das Finale von Washington, in dem er Taylor Fritz mit 6:7 (2), 4:6 unterlag. Später wurde er in Montreal zum ersten 2006 geborenen Spieler, der bei einem ATP-Masters-1000-Turnier das Halbfinale erreichte.
Auch die ATP-Daten verdeutlichen, wie schnell sich seine Platzierung verändert hat. Im August 2025 lag Jodar noch außerhalb der Top 500, ein Jahr später hatte er mit Platz 15 eine neue persönliche Bestmarke erreicht.
Auch Learner Tien gehört bereits zu den jungen Spielern in den oberen Regionen der Weltrangliste. Der 20-jährige US-Amerikaner erreichte in diesem Sommer das Halbfinale von Montreal und zog später bei den US Open ins Achtelfinale ein. Inzwischen steht er ungefähr auf Rang 15 und wird das Team der Welt außerdem beim Laver Cup in London vertreten.
Joao Fonseca erlebte wegen Verletzungen ein schwierigeres Jahr 2026, liegt aber weiterhin in den Top 30. Martin Landaluce ist ein weiterer Spieler im Alter von 20 Jahren oder jünger, der zu den Top 100 gehört.
Macci spricht auch über die körperlichen Belastungen des modernen Tennis
Macci hat sich zuletzt häufig mit der körperlichen Entwicklung des Spiels beschäftigt. Anfang des Monats erwähnte er auch Carlos Alcaraz und Jannik Sinner, als er über den anspruchsvollen ATP-Spielplan sprach.
Der US-Trainer erklärte, beide Spieler würden im Laufe ihrer Karriere längere Pausen benötigen, weil ihr Spielstil enorme Energie erfordere.
„Alcaraz und Sinner müssen längere Pausen einlegen – nicht, weil sie das wollen, sondern weil sie es müssen“, schrieb Macci.
„Der Kalender ist enger getaktet als die meisten Schläger bespannt sind, und beide bewegen sich mit einer Wucht, wie man sie im Sport noch nie gesehen hat. Das Spiel ist Flipper auf Steroiden – nur auf einem völlig neuen Niveau.“
Macci betonte außerdem, dass Verletzungen auf der Tour derzeit zu häufig auftreten. Alcaraz musste in dieser Saison bereits eine längere Pause einlegen, während auch Sinner seinen Spielplan sorgfältig steuern musste.
Der frühere Trainer von Serena Williams hat Alcaraz in den vergangenen Monaten mehrfach gelobt. Nachdem der Spanier nach 139 Tagen Abwesenheit zurückgekehrt war und bei den US Open wieder Matches gewann, erklärte Macci, was die ehemalige Nummer eins der Welt geschafft habe, sei im Herrentennis bislang beispiellos gewesen.
„Was der spanische Magier bisher erreicht hat, hat das Herrentennis noch nie gesehen. 139 Tage nicht zu spielen, bei einem Grand Slam zurückzukehren und Matches zu gewinnen“, sagte er.
Der Spanier beeindruckte in diesem Moment viele Menschen – nicht nur den renommierten Trainer. Er zeigte damit, dass er zu Recht zur Weltspitze der ATP gehört.
Für Macci kommen jüngere Spieler heute mit mehr Waffen, größeren athletischen Fähigkeiten und besserer Ausrüstung auf die ATP-Tour als frühere Generationen im gleichen Alter.
Die Weltrangliste bestätigt, dass zahlreiche Nachwuchsspieler bereits nahe an der Spitze stehen. 30 Spieler innerhalb der Top 100 sind 24 Jahre alt oder jünger, 15 von ihnen sind 22 oder jünger.
