Carlos Alcaraz weiß genau, wie schwierig es ist, gegen Jannik Sinner und Alexander Zverev zu returnieren. Im Laufe seiner Karriere ist der Spanier bereits viele Male auf beide Spieler getroffen.
Nun wurde Alcaraz gebeten, für verschiedene Bereiche des Spiels seinen perfekten Tennisspieler zusammenzustellen. Besonders interessant fiel seine Entscheidung beim Aufschlag aus.
Im Gespräch mit dem Tennis Channel während des Laver Cups in London nannte Alcaraz Sinner als Spieler mit dem besten Aufschlag auf der ATP Tour.
Damit ging Zverev leer aus, obwohl der Deutsche über einen der stärksten Aufschläge im Herrentennis verfügt.
In einer anderen Kategorie berücksichtigte Alcaraz seinen Team-Europe-Kollegen dennoch: Den besten Rückhand-Schlag schrieb er Zverev zu. Der siebenmalige Grand-Slam-Champion wählte sich selbst für die beste Vorhand, während Grigor Dimitrov seine Wahl am Netz war.
Der Vergleich zwischen Sinner und Zverev ist auch mit Blick auf die diesjährigen Statistiken interessant.
Zverev schlägt im Schnitt mehr Asse pro Match – 9,4 gegenüber 8,6 bei Sinner. Außerdem bringt der Deutsche 71,7 Prozent seiner ersten Aufschläge ins Feld, während der Italiener auf 65,4 Prozent kommt.
Sobald der Ball jedoch im Spiel ist, war Sinner erfolgreicher.
Die Nummer eins der Welt gewinnt 80,7 Prozent der Punkte nach dem ersten Aufschlag und 58,4 Prozent nach dem zweiten. Bei Zverev liegen diese Werte bei 76,3 beziehungsweise 56,1 Prozent.
Auch bei den gehaltenen Aufschlagspielen liegt Sinner vorn: In dieser Saison gewann er 93,5 Prozent seiner Aufschlagspiele, Zverev kommt auf 88,8 Prozent.
Nicht alle stimmen Alcaraz zu
Alcaraz war nicht der einzige Spieler, der während der Laver-Cup-Woche seinen perfekten Tennisspieler zusammenstellen sollte.
Casper Ruud und Jakub Mensik kamen bei der Wahl des besten Aufschlags zu einer anderen Einschätzung. Die beiden Spieler von Team Europe entschieden sich für Zverev statt für Sinner.
In einer anderen Kategorie waren sie sich jedoch mit Alcaraz einig: Beide wählten den Spanier für die beste Vorhand.
Team World hatte wiederum eine andere Meinung.
Alex de Minaur, Brandon Nakashima und Francisco Cerundolo nannten allesamt Taylor Fritz als besten Aufschläger. Damit herrschte unter den in London teilnehmenden Spielern keine klare Einigkeit.
Zverevs Aufschlag zählt seit Jahren zu seinen größten Waffen. Mit dem ersten Service kann er sich regelmäßig kostenlose Punkte sichern, auch wenn ihm in seiner Karriere gelegentlich Doppelfehler Probleme bereitet haben.
In dieser Saison produziert der Deutsche im Schnitt 2,2 Doppelfehler pro Match. Bei Sinner sind es 1,3.
Der Italiener hat diesen Teil seines Spiels in den vergangenen Jahren kontinuierlich verbessert. Früher galt sein Aufschlag nicht als größte Stärke, inzwischen ist es für die Gegner deutlich schwieriger geworden, ihn zu attackieren.
Ein Beispiel dafür lieferte Wimbledon in diesem Jahr.
Sinner bezwang Zverev im Finale in vier Sätzen und baute dabei eine bemerkenswerte Serie gegen den Deutschen aus. Zu diesem Zeitpunkt hatte der Italiener bereits 87 Aufschlagspiele in Folge gegen Zverev gehalten.
Auch Andy Roddick bemerkte, wie schwierig es geworden war, Sinner den Aufschlag abzunehmen.
Der frühere US-Open-Champion hat mehrfach über die Entwicklung des Italieners in diesem Bereich gesprochen und darüber, wie viel sicherer Sinner inzwischen wirke, wenn er die Punkte mit seinem Aufschlag eröffnet.
Alcaraz kennt beide Spieler sehr gut
Carlos hatte zahlreiche Gelegenheiten, beide Aufschläge von der anderen Seite des Netzes zu erleben.
Seine Rivalität mit Sinner ist in den vergangenen Jahren zu einer der größten Geschichten im Herrentennis geworden. Die beiden trafen bei zahlreichen bedeutenden Turnieren aufeinander.
Auch gegen den 23-jährigen Zverev hat Alcaraz bereits mehrere wichtige Partien bestritten.
Ihr denkwürdigstes Grand-Slam-Duell fand im Finale der French Open 2024 statt. Damals drehte Alcaraz die Partie nach einem 1:2-Satzrückstand und gewann seinen ersten Titel in Paris.
In diesem Jahr holte der Deutsche bei den French Open schließlich seinen ersten Grand-Slam-Titel, bevor er bei den US Open einen weiteren hinzufügte. Nach Jahren in unmittelbarer Nähe zu den größten Trophäen rückte Zverev außerdem wieder auf Platz zwei der Weltrangliste vor.
Carlos ging mit seinem Lob für Zverev zuletzt sogar noch weiter. Vor dem Laver Cup bezeichnete er ihn als „wahrscheinlich besten Spieler der Welt derzeit“.
Das änderte jedoch nichts an seiner Antwort, als er nach einzelnen Schlägen gefragt wurde.
Sinner erhielt Alcaraz’ Stimme für den Aufschlag, während er Zverevs Rückhand als den Teil des Spiels auswählte, den er für seinen perfekten Tennisspieler übernehmen würde.
Die Debatte dürfte weitergehen, denn die Zahlen liefern keine eindeutige Antwort. Zverev schlägt mehr Asse und bringt mehr erste Aufschläge ins Feld, während Sinner nach beiden Aufschlägen effektiver die Punkte gewinnt.
Tennisfans erwarten, dass das Duell zwischen Jannik Sinner und Carlos Alcaraz auch im kommenden Jahr spannend bleibt. Für beide Spieler wird es jedoch zunächst vor allem darum gehen, gesund zu bleiben.
Auch Alexander Zverev könnte in diesen Kampf eingreifen, nachdem ihm der Gewinn von zwei Grand-Slam-Titeln in dieser Saison viel Selbstvertrauen gegeben hat.
Der Deutsche will den Spanier und den Italiener herausfordern, auch wenn seine Ergebnisse gegen beide in den vergangenen Jahren nicht immer überzeugend waren.
