Emma Raducanu steht vor ihrer Rückkehr nach Wimbledon – dieses Mal ungesetzt. Während Jack Draper als Nummer vier ins Turnier geht und große Hoffnungen weckt, spricht Raducanu offen über das Gefühl, den Anschluss nicht verlieren zu wollen. „Man sieht, wie sie ihre Matches gewinnen, und will dann selbst auch gewinnen. Es ist dieser gesunde Wettbewerb, weil man nicht diejenige sein will, die zurückbleibt, verstehen Sie? Das ist aber nichts Negatives“, sagte sie gegenüber dem Guardian.
Seit ihrem US-Open-Sieg 2021 galt Raducanu als das neue Aushängeschild des britischen Tennis. Nun rückt Draper in den Fokus. Die 23-Jährige sieht dessen Aufstieg aber nicht nur als Druck, sondern auch mit Stolz: „Es ist großartig. Ich kenne ihn schon ewig, wir waren beide vielversprechende Junioren. Jetzt sind wir Nummer eins bei Damen und Herren. Das ist schon cool.“
Gelassener spielen, mehr genießen
Während Draper sich auf mögliche schwere Matches gegen Djokovic und Titelverteidiger Alcaraz einstellen muss, sucht Raducanu neue Wege, um auf dem Platz befreiter aufzutreten. Sie hat sich für einen Kunstgeschichtskurs eingeschrieben, der ihr Perspektiven außerhalb des Tennis eröffnet. „Früher war ich sehr festgelegt auf Mathe und Logik – dieses Denken in ABC-Schemata. Jetzt habe ich gemerkt, was mir eigentlich Spaß macht.“
Diese neue Freiheit hilft ihr auch beim Tennis. „Ich glaube, ich spiele am besten, wenn ich frei bin und Spaß habe. Man denkt oft, Lachen auf dem Platz bedeutet, man nimmt es nicht ernst – aber für mich funktioniert es besser, als wenn ich nur Druck spüre und perfekt sein will.“
Raducanu ist erst 22 Jahre alt, doch sie denkt bewusst an ihr zukünftiges Ich. „Manchmal frage ich mich: Werde ich es später bereuen, diesen Moment nicht genossen zu haben? Ich will für die Person leben, die sich später keine Vorwürfe machen muss.“
