Victoria Mboko sorgt beim diesjährigen Canadian Open für große Schlagzeilen. Die 18-jährige Kanadierin, aktuell auf Platz 85 der Weltrangliste, hat als erst dritte Wildcard-Spielerin überhaupt das Halbfinale des traditionsreichen Turniers in Montreal erreicht. Nach drei souveränen Siegen zu Beginn bezwang Mboko im Achtelfinale völlig überraschend die an Nummer zwei gesetzte Coco Gauff – ihr erster Erfolg gegen eine Top-10-Spielerin.
Anschließend sicherte sie sich durch einen weiteren Erfolg gegen Jessica Bouzas Maneiro das Ticket für das Halbfinale. Dort trifft sie am Mittwoch auf Elena Rybakina. Das Duell kommt nur zwei Wochen nach einer Niederlage gegen die Kasachin in Washington zustande. Unabhängig vom Ergebnis dieses Matches steht fest: Mboko wird erstmals in ihrer Karriere unter die Top 50 der WTA vorstoßen.
Trainerin Tauziat: „Das Wichtigste ist die Ruhe“
Ein wesentlicher Teil von Mbokos Erfolgsgeschichte ist ihre langjährige Trainerin Nathalie Tauziat, frühere Weltranglistendritte und Wimbledon-Finalistin von 1998. Die Französin arbeitet seit Beginn des Jahres wieder eng mit Mboko zusammen und erkennt in ihrer Schülerin eine enorme Entwicklung. Bereits zum Jahresauftakt gewann die Kanadierin 22 Matches in Serie auf ITF-Ebene. Es folgten der Einzug in Runde drei der French Open als Qualifikantin sowie das Debüt in Wimbledon.
Tauziat hebt besonders die mentale Stärke ihrer Schülerin hervor: „Seit Anfang des Jahres hat sie so viele Matches gewonnen. Ich glaube, was für sie auch wichtig ist: dass wir nicht in Panik geraten, wenn etwas passiert. Sie hat mir mal gesagt: ‚Du bist so ruhig während des Matches.‘ Ich habe ihr geantwortet: ‚Weißt du, es ist nur ein Match. Ich kann dir helfen, aber wenn ich selbst in Panik gerate, wird es für dich noch schlimmer. Also warum sollte ich? Ich bin nicht nervös, ich bin da, um dir zu helfen.‘“
Weiter erklärt Tauziat: „Wenn das ganze Team ruhig bleibt und ihr so gut wie möglich hilft, dann gerät sie auch nicht in Panik. Durch die vielen Matches in diesem Jahr kann sie solche Situationen inzwischen gut bewältigen. Sie glaubt an sich selbst. Sie hat einen sehr guten Aufschlag, nicht viele Spielerinnen haben das. Sie lernt gern und will sich immer weiter verbessern. Das ist entscheidend.“
Vorbild für eine neue Generation
Tauziat hat in den vergangenen Jahren einige kanadische Talente betreut, darunter Eugenie Bouchard, Bianca Andreescu und Leylah Fernandez. Sie war unter anderem Teil des Coaching-Teams, das Kanada 2023 zum Billie Jean King Cup-Titel führte. Allerdings betont die erfahrene Trainerin, dass der frühe Erfolg auch Risiken birgt. „Manche Spielerinnen erreichen sehr jung ein hohes Niveau, verlieren aber dann die Prioritäten. Für Vicky wird es wichtig sein, Tennis immer an erste Stelle zu setzen. Wer aufhört, hart zu arbeiten, fällt schnell zurück.“
Mboko scheint diesen Rat ernst zu nehmen. Mit Ruhe, harter Arbeit und Lernbereitschaft hat sie sich in die Herzen der Fans gespielt – und steht nun vor ihrem bisher größten Erfolg.
