Als Bianca Andreescu 2019 die US Open gewann und Serena Williams in New York besiegte, galt sie als das neue Gesicht des Damentennis. Doch der Weg nach oben hielt nicht lange an. Verletzungen, Pausen und Unsicherheiten warfen die Kanadierin immer wieder zurück. Heute kämpft sie darum, wieder Anschluss an die Weltspitze zu finden.
Im Gespräch mit Tennis365 beim Wuhan Open sprach Andreescu offen über die Herausforderungen, die ein solcher Neustart mit sich bringt. „Natürlich ist es ein Schlag fürs Ego, jetzt in der Qualifikation zu spielen“, sagte sie. „Aber ich muss das ausblenden. Der US-Open-Sieg liegt Jahre zurück, und seitdem ist so viel passiert. Ich habe noch immer große Ziele. Ich weiß, was ich erreichen kann – es geht darum, Geduld zu haben und gleichzeitig meine Entschlossenheit zu behalten.“
Sie betont, dass der fehlende Rhythmus durch die vielen Verletzungen ihr größtes Hindernis ist. „Im Tennis entscheidet oft ein einziger Punkt. Wenn man diese Instinkte verliert, dauert es, sie zurückzugewinnen.“
Ein neuer Mensch, kein Rückblick
Andreescu sieht ihre heutige Situation nicht als Scheitern, sondern als Weiterentwicklung. „Ich bin nicht mehr dieselbe Person wie 2019“, erklärte sie. „Damals hatte ich keine Erwartungen, niemand kannte mich, und ich hatte keine Verantwortung. Nach den Verletzungen 2020 war es ein langer Weg zurück. Ich jage nicht meinem früheren Ich hinterher, sondern versuche, neue Wege zu finden, um wieder auf dieses Niveau zu kommen.“
Rückblickend wünscht sie sich, sie hätte nach dem Grand-Slam-Triumph mehr Unterstützung gehabt. „Wenn man als Teenager plötzlich so erfolgreich ist, ist das schwierig. Vielleicht hätte mir mehr Anleitung geholfen, aber ich glaube daran, aus Fehlern zu lernen. Das macht einen stärker.“
Andreescu plant keinen großen Neuanfang mit festen Zielen, sondern konzentriert sich auf das Hier und Jetzt. „Ich sehe diese Phase als Vorbereitung auf Australien. Ich möchte mich für die Australian Open qualifizieren. Ich sage mir oft: ‚Du hast das einmal geschafft, du kannst es wieder tun.‘ Ich glaube wirklich daran – es ist nur eine Frage der Zeit.“
