Elena Rybakina hat bereits zwei Grand-Slam-Titel gewonnen und Platz zwei der Weltrangliste erreicht. Ihr jüngster Lauf in Toronto zeigte jedoch, wie stark der Spielplan selbst die besten Spielerinnen beeinflussen kann.
Die 27-Jährige ging als amtierende Australian-Open-Siegerin in die Canadian Open. Im April hatte sie zudem das Turnier in Stuttgart gewonnen und Karolina Muchova im Finale mit 7:5, 6:1 bezwungen.
Auch in Toronto erreichte Rybakina das Endspiel, musste dafür körperlich jedoch einen hohen Preis zahlen. In fünf Runden bestritt sie vier Matches über drei Sätze und stand vor dem Finale fast elfeinhalb Stunden auf dem Platz. Ihr Halbfinale gegen Coco Gauff endete weit nach Mitternacht. Noch am selben Tag musste sie erneut antreten – im Finale gegen Iga Swiatek.
Swiatek setzte sich mit 6:2, 6:3 durch. Die frühere Trainerin von Serena Williams, Rennae Stubbs, ist jedoch überzeugt, dass die Umstände das Endspiel für Rybakina unnötig erschwerten.
Stubbs kritisiert den Spielplan der Canadian Open
Im Rennae Stubbs Tennis Podcast hinterfragte die Australierin, warum das Turnier eine Finalistin so spät hatte antreten lassen, obwohl die Veranstaltung erweitert worden war.
“I was thinking to myself, when Iga Swiatek and [Elena] Rybakina played in the final, hold on a second, you guys had 10 days to finish the event, and yet, a player plays a semi-final and finishes at one o’clock in the morning and then has to come back the next day and play at 6pm!” sagte Stubbs.
“I don’t understand how a sport can make one person suffer a lot more than the other, and it’s supposed to be equal.
That is not fair. Whether it was Rybakina or whether it was Swiatek who won that second semi-final, why are you starting at 7pm plus when you have all day to play a tennis match?”
Stubbs betonte, dass sie Swiatek damit nichts nehmen wolle. Die Polin habe im Finale eines ihrer besten Matches der Woche gespielt.
“Iga Swiatek played incredible tennis, and I don’t want to hold anything against her. It’s so great to see her back. But was Rybakina at her very best in that final? I would argue no,” sagte sie.
“Why wasn’t she? I would guarantee you that if she finished the match at 1am, she would not go to sleep until 3:30 or 4 in the morning.
You expect that girl to get up when? What’s the rhythm of her practice?
Iga probably finished and went to bed around midnight, which is still not ideal for a tennis player to wake up and play a match at 6 pm, but I’ll take that over four in the morning.
That is not okay.”
Die Zahlen untermauern Stubbs’ Argument hinsichtlich Rybakinas Belastung. Die Kasachin verbrachte während des Turniers 685 Minuten auf dem Platz. Viertel-, Halbfinale und Endspiel fanden an drei aufeinanderfolgenden Tagen statt.
Rybakina räumte nach dem Finale selbst ein, körperlich kaum noch Reserven gehabt zu haben.
“I didn't have much energy,” sagte sie. “I was just very tired. You could see that I wasn't pushing with the legs enough. There was a lot of unforced errors, especially on top of the net. It was just pure lack of concentration.”
Rybakina nimmt positive Aspekte mit in Richtung US Open
Trotz der Niederlage im Finale verließ Rybakina Toronto nicht enttäuscht.
Sie erklärte, dass sie mit den wechselnden Spielzeiten besser zurechtgekommen sei als bei früheren Turnieren. Im Laufe der Woche spielte sie am Morgen, tagsüber und in der Abendsession. Am meisten ärgerte sie, dass ihr im Finale gegen Swiatek nicht mehr genügend Energie zur Verfügung stand.
Die Weltranglistenzweite erklärte zudem, dass sie aus der Niederlage lernen und sich nicht zu lange mit ihr beschäftigen wolle.
“Iga, she's a tough opponent, and she was trying to get all the balls back, of course,” sagte Rybakina. “It was difficult for me today, and I just hope that I take all the lessons and somehow next time going to do better.”
Im weiteren Saisonverlauf kann Rybakina noch einiges erreichen. Ihr Ergebnis in Toronto brachte sie im Kampf um Platz eins näher an Aryna Sabalenka heran. Die Kasachin betonte allerdings, dass sie nicht zu sehr über die Weltrangliste nachdenke.
“If I can do better, amazing, I try my best, and hopefully [becoming No. 1] happens one day,” sagte sie.
In Cincinnati ist Rybakina bereits wieder in den Wettbewerb eingestiegen. Gegen Magdalena Frech setzte sie sich mit 6:4, 7:6(2) durch und erreichte die vierte Runde. Dort wartet Diana Shnaider auf sie.
Auch die US Open rücken näher. In New York wird Rybakina nach einer Saison mit dem Australian-Open-Titel, dem Triumph in Stuttgart und dem Finaleinzug bei den Canadian Open zu den Topfavoritinnen zählen.
Stubbs’ Hauptsorge gilt derzeit jedoch nicht Rybakinas Leistungsniveau. Vielmehr stellt sie die Frage, ob die Turniere den Spielerinnen und Spielern bei körperlich anspruchsvollen Spielplänen ausreichend Zeit zur Regeneration lassen.
