Terence Atmane führte gegen Jaume Munar bereits mit zwei Sätzen, verlor aber nach fast fünf Stunden noch 7:6, 6:3, 1:6, 6:7, 5:7. Im fünften Durchgang erreichte der Franzose seine körperliche Grenze. Ein Physiotherapeut verweigerte die gewünschte Behandlung, weil er die Beschwerden als Krämpfe und nicht als Verletzung einstufte.
Die Belastung verändert ein kontrolliertes Match
Atmane hatte die ersten beiden Sätze gewonnen und damit eine klare Ausgangsposition geschaffen. Munar blieb jedoch im Match, holte den dritten Durchgang deutlich und erzwang über den Tiebreak des vierten Satzes die Entscheidung. Die lange Spielzeit machte aus einem sportlichen Vorsprung zunehmend eine Frage der körperlichen Widerstandsfähigkeit.
Beim Stand von 1:2 im fünften Satz rief Atmane den Physiotherapeuten. Dieser untersuchte den Oberschenkelbereich an der Spielerbank und kam zu dem Schluss, dass es sich um Krämpfe handelte. Solche Beschwerden gelten im Profitennis als Folge körperlicher Erschöpfung und nicht als behandelbare Verletzung. Deshalb verließ der Physiotherapeut den Platz, ohne einzugreifen.
Atmane versuchte, auf andere Schmerzen hinzuweisen, und buchstabierte deutlich das Wort „Schmerz“. Die Einschätzung änderte sich trotzdem nicht. Der Weltranglisten-92. musste das Match ohne medizinische Hilfe fortsetzen.
Eine Regel wird selbst zum Teil des Duells
Die Szene zeigte, wie unmittelbar die medizinische Einordnung ein Match beeinflussen kann. Eine Verletzung hätte eine Behandlung ermöglicht, Krämpfe ließen Atmane dagegen nur die Wahl, selbst weiterzuspielen oder aufzugeben. Der Unterschied beruhte nicht auf der sichtbaren Stärke seiner Beschwerden, sondern auf ihrer Ursache.
Vergleichbare Situationen hatten bereits Diskussionen ausgelöst. Im Halbfinale der Australian Open bezweifelte Alexander Zverev, ob Carlos Alcaraz bei ähnlich wirkenden Problemen hätte behandelt werden dürfen. In New York blieb der Physiotherapeut konsequent bei seiner ersten Diagnose.
Munar musste den Vorteil trotzdem sportlich nutzen. Atmane hielt den fünften Satz eng und zwang den Spanier bis zum 7:5. Das macht die Wende aussagekräftiger als einen einfachen körperlichen Einbruch. Munar hatte nach zwei verlorenen Sätzen genug Geduld, um die Belastung zu verlängern, und blieb in der Schlussphase stabil.
Für Atmane liegt die bittere Pointe darin, dass seine Führung und sein Widerstand nicht reichten. Die verweigerte Behandlung war kein nachträglicher Grund für das Ergebnis, sondern ein entscheidender Rahmen der letzten Spiele. Munar gewann, weil er den langen Weg bis zu diesem Moment erzwang und danach noch genügend Kontrolle für das letzte Break besaß. Der Franzose verlor damit nicht wegen einer sofortigen Aufgabe, sondern in einem vollständig ausgespielten Entscheidungssatz, dessen letzte Phase beiden Spielern weiter hohe Konzentration abverlangte.
