Lilli Tagger hat ihre erste US-Open-Einzelkampagne mit einer Niederlage beendet, aber gegen Amanda Anisimova einen wichtigen Beleg für ihre Konkurrenzfähigkeit erhalten. Die 18-jährige Österreicherin verlor in Runde zwei mit 3:6, 6:3, 1:6. Dass sie der Vorjahresfinalistin einen Satz abnahm, überraschte Tagger selbst und liefert ihr einen konkreten Maßstab für weitere Auftritte auf dieser Bühne.
Ruhe ermöglicht die Reaktion
Nach verlorenem ersten Satz lag Lilli im zweiten Durchgang 0:2 zurück. Sie ließ sich davon nicht aus dem Match drängen und drehte den Satz noch mit 6:3. Nach ihrer Aussage war ihr Puls nicht außergewöhnlich hoch. Diese Ruhe half ihr, den Rückstand als lösbare Spielsituation zu behandeln und nicht als Bestätigung für die Favoritenrolle der Gegnerin.
Der dritte Satz ging deutlich an Anisimova. Dadurch bleibt der Erfolg im Mittelteil ein Teilergebnis, kein moralischer Ersatz für den Sieg. Sein Wert liegt darin, dass Lilli erfahren hat, wie lange sie mit einer etablierten Gegnerin mithalten und eine schwierige Phase umkehren kann.
In ihrer Box saß Trainerin Francesca Schiavone allein. Tagger erklärte, Schiavone gebe nur sparsam Anweisungen, „damit ich dann auch richtig zuhöre“. Das Verhältnis aus Selbstständigkeit und punktuellen Hinweisen passt zu einem Match, in dem die junge Spielerin nach einem Rückstand selbst eine Antwort finden musste.
Das Turnier geht im Doppel weiter
Taggers US Open sind noch nicht beendet. Sie tritt wie schon bei den French Open mit Sara Errani im Doppel an. Ihre ersten Gegnerinnen sind die amerikanischen Schwestern Annika und Kristina Penickova. Das Duo Tagger/Errani verbindet unterschiedliche Stärken: Die Österreicherin bringt Tempo, die Italienerin Erfahrung und Spielwitz ein.
Auch abseits des Ergebnisses sammelt Tagger Eindrücke. Bei großer Hitze spielte sie in schwarzer Kleidung, empfand das Outfit aber nicht als entscheidenden Nachteil. Zudem beobachtet sie Naomi Osaka, die denselben Ausrüster hat und bei Grand Slams mit auffälligen Kreationen auftritt. Tagger sagte dazu: „Ich schaue mir das schon an, aber meines ist das nicht.“
Diese Zurückhaltung passt zu ihrem sportlichen Auftritt. Tagger muss keine fremde Inszenierung übernehmen, um Aufmerksamkeit zu verdienen. Der gewonnene Satz gegen Anisimova liefert die stärkere Botschaft. Im Doppel kann sie nun weiterlernen, ohne die Einzelniederlage kleinzureden. New York endet für sie nicht mit einem Durchbruch, sondern mit belastbarer Erfahrung gegen eine Finalistin.
