Coco Gauff hat im US-Open-Halbfinale gegen Elena Rybakina eine große Chance vergeben. Die Amerikanerin gewann den ersten Satz mit 6:3, verlor danach jedoch zweimal mit 4:6. Es war ihre zweite Niederlage gegen Rybakina innerhalb der vergangenen drei Turniere, obwohl Gauff nach ihrem Titel beim Kanada-Turnier als Favoritin in das Match gegangen war.
Andy Roddick sah zunächst eine außergewöhnlich starke Gauff. “The first set I was saying is this the best Coco has ever played in a tournament. She was in full flight but the forehand deserted her,” erklärte der US-Open-Sieger von 2003. Der Satz fasst die Spannung ihres Spiels zusammen: Gauff kann mit Tempo, Verteidigung und Variation dominieren, doch die Vorhand bleibt unter konsequentem Druck verwundbar.
Rybakina findet den wiederholbaren Angriff
Roddick lobte zugleich Rybakinas Reaktion. Die neue Weltranglistenerste ließ sich vom verlorenen Auftaktsatz nicht aus ihrem Muster bringen und belastete Gauffs Vorhand weiter. “Coco’s forehand let her down. That is it. It’s going to be a struggle when people can go big and create pace to that side,” sagte Roddick.
Gauff besitzt Lösungen, wenn Gegnerinnen ihr Zeit lassen. Sie kann Spin verändern, den Ball schneiden und Winkel öffnen. Gegen frühe, harte Schläge wird die Vorbereitung jedoch kürzer, sodass technische Unsicherheit und Zeitdruck gleichzeitig wirken. Rybakina hatte dafür mit ihrem Aufschlag und ihrer flachen Beschleunigung die passenden Werkzeuge.
Der Blick richtet sich schon auf 2027
Die Niederlage löscht Gauffs Fortschritt nicht aus. Roddick erinnerte daran, wie stark sie noch vor einem Jahr mit dem Aufschlag gerungen hatte. Seine Bewertung verlangt deshalb zwei Perspektiven: die konkrete Schwäche im Halbfinale und die Entwicklung über zwölf Monate.
Gauff plant den Start bei den China Open ab 28. September und hofft auf die Qualifikation für die WTA Finals. Gleichzeitig betrachtet sie den Rest der Saison bereits als Testfeld für das kommende Jahr. “Sometimes the mindset works, as I’m usually successful at those events, so I think this will just be about going back and seeing what I can improve on and what I need to try and put into my game during the Asian swing,” erklärte sie.
Damit setzt Gauff die richtige Priorität. Eine Vorhand muss nicht zur größten Waffe werden, um weniger angreifbar zu sein. Schon bessere Länge, klarere Auswahl und stabilere Vorbereitung würden Gegnerinnen zwingen, mehr Risiko einzugehen. Das Halbfinale zeigte nicht, dass Gauffs Spiel grundsätzlich scheitert. Es zeigte, welchen Schlag die Besten gezielt prüfen werden, bis sie eine überzeugende Antwort liefert.
